Nachrichten

Ruppert meint...Nr.22: Kölle Allah

Rubrik: Kolumne

Ruppert meint...Nr.22: Kölle Allah

Vor rund 80 Jahren bin ich in mitten in Köln am Rhein geboren. In der altehrwürdigen Kirche St. Severin wurde ich mit filtriertem Rheinwasser römisch - katholisch getauft, so, wie es sich im „hillije Kölle" gehörte. Ich verstehe und spreche Kölsch. Meinen kölschen Akzent kann und will ich auch nach nunmehr fast einem Vierteljahrhundert in Brandenburg nicht verleugnen. Zugegeben, das ist Geschmacksfrage. Die über 2000 Jahre alte Römerstadt Köln ist, wie gesagt, eine heilige Stadt. Im Kölner Dom, ihrem unverwechselbaren Wahrzeichen, ruhen die Gebeine der Heiligen Drei Könige in einem Schrein aus purem Gold. Ihre Kronen zieren zusammen mit elf Flammen das Stadtwappen. Die Flammen stehen symbolisch für den in Köln erlittenen Märtyrertod der Stadtpatronin, der Heiligen Ursula, und ihrer 11.000 jungfräulichen Begleiterinnen.

 

 

Im Mittelalter zählte der Erzbischof von Köln, zugleich weltliches Oberhaupt der reichsfreien Stadt, zu den sieben Kurfürsten, denen allein das Recht zustand, den Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation zu wählen. Dieses Reich erstreckte sich damals von der Nordsee bis Sizilien. Unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa war der Kölner Erzbischof Reinald von Dassel zugleich Reichserzkanzler für Italien. Im Jahre 1164 schlug er als kaiserlicher Feldherr nach zweijähriger Belagerung eine der zahlreichen Rebellionen der reichen oberitalienischen Stadt Mailand nieder. Dabei sicherte er sich als wertvollste Beute die Gebeine der Heiligen Drei Könige und nahm sie mit nach Köln. Für diese Reliquie der Güteklasse I wurde seit 1248 in über 600-jähriger Bauzeit der Kölner Dom errichtet. Bis heute fordern die Italiener vergeblich die Rückführung der Gebeine nach Mailand.

 

 

Die britannische Königstochter Ursula, begleitet von 11.000 Jungfrauen (nach neuerer Lesart waren es nur zehn adlige Gefährtinnen)  unternahm im 4. Jahrhundert n.Chr. eine Pilgerfahrt zum Papst nach Rom. Auf der Rückreise legten die Damen mit ihren Schiffen in Köln an. Dort herrschte damals der Hunnenkönig Etzel. Er ließ alle Jungfrauen niedermachen bis auf Ursula, die er wegen ihrer strahlenden Schönheit für sich nehmen wollte. Doch Ursula weigerte sich standhaft, dem Heiden zu gehören. So wurde auch sie von den Pfeilen der Hunnen durchbohrt. Da, wo die Märtyrerinnen hingemetzelt wurden, steht heute die Klosterkirche St. Ursula.

 

 

Für die Heiligkeit Kölns zeugt nicht zuletzt der weltweit bekannte „Kölsche Fastelovend", der Kölner Karneval. Auch dieses höchste kulturelle Ereignis des Jahres beruht in seinem Ursprung und Sinn auf der christlich-katholischen Religion. Die rheinische Fastnacht, der Fastelovend oder Fasteleer, hat nichts gemein mit der heidnischen süddeutsch - alemannischen Tradition der Fasenacht, wo zusammen mit den dunklen Wintertagen Hexen und böse Geister ausgetrieben werden. Vielmehr bereitet sich der rheinische Katholik kurz vor Beginn der bis Ostern währenden Fastenzeit durch ausgiebiges Feiern auf die ihm von der Kirche verordnete Askese vor, welche ihm unter anderem den Genuss von Fleisch (nicht aber von Fisch!) untersagt. „Carne vale" bedeutet, grammatisch etwas unscharf, so viel wie „Fleisch lebe wohl".

 

 

Der Hochruf auf die Stadt lautet „Kölle Alaaf!" Anders als das „Helau" im restlichen nicht-alemannischen Deutschland reicht er über die Karnevalszeit hinaus. Geografisch jedoch ist „alaaf" begrenzt auf die Metropole selbst, Bonn (Köln-Süd), Aachen (Köln-West)  und die „Schäl Sick", das östliche Hinterland bis zur Grenze nach Westfalen. So unklar wie der Ursprung und die Bedeutung des „Helau", so klar ist die Ansage von „Alaaf". „All af" heißt, ins Hochdeutsche übersetzt, „Alles ab, alles weg". „Kölle alaaf" bedeutet also so viel wie „Außer Köln alles weg", oder „Köln über alles". Wer in Köln zu unpassender Gelegenheit „Helau" ruft, lebt gefährlich. „Helau" heißt es nämlich auch in der nur 40 Kilometer entfernten Landeshauptstadt Düsseldorf. Das ist wohl einer der Gründe für die seit Generationen sorgsam gepflegte Rivalität bis hin zur karnevalistisch ausgetragenen Erzfeindschaft.

 

 

Mit Ausnahme von drei Kriegsjahren habe ich bis zur Wiedervereinigung mein ganzes Leben in Köln verbracht. Ich besuchte dort die Volksschule, erlebte die nächtlichen Fliegerangriffe, machte nach dem Krieg das Abitur, studierte Jura an der Kölner Uni und arbeitete anschließend über drei Jahrzehnte in verschiedenen Funktionen am Kölner Landgericht, zuletzt als Vorsitzender einer Berufungsstrafkammer. In dieser Zeit vollzog sich der Wiederaufbau der fast total zerstörten Stadt, die allmählich ihren ursprünglichen Charakter wiedergewann, einschließlich ihrer einzigartigen Originalität. Das hatte auch Nachteile; denn viele Gelegenheiten einer großzügigeren Stadtplanung nach 2000 Jahren blieben ungenutzt.


Ich habe diese wechselvolle und hoch interessante Zeit in zwei meiner Bücher festgehalten: „Leben im Schatten der Zeit" und „Leben mit dem Geist der Zeit". Im letzteren finden sich auch mehrere Kapitel zu spezifischen Problemen, die der Zuzug von ausländischen Gastarbeitern mit sich brachte. Heute liegen die geschilderten Vorgänge dreißig Jahre und länger zurück. Doch gerade dadurch vermitteln sie dem nicht in weltanschaulichem oder politischem Wunschdenken befangenen Zeitgenossen eine brauchbare Grundlage zur realistischen  Abschätzung der Gegenwart und Zukunft.

 

 

Seit der Wiedervereinigung und meiner Abordnung nach Brandenburg  habe ich meine Heimatstadt Köln immer seltener besucht. Jedes Mal befiel mich dieselbe eigenartige Stimmung, wenn der Zug in den Abendstunden über die Hohenzollernbrücke auf das  hell erleuchtete linke Rheinufer mit dem angestrahlten Dom zu- und mit quietschenden Bremsen in den Hauptbahnhof einfuhr. Doch schon beim Verlassen des Bahnhofs über den hinteren Ausgang zum Breslauer Platz kam es mir vor, als werde die Stadt von Mal zu Mal schmutziger bei einer ständigen Zunahme asozial wirkender Elemente. Aus den Medien wusste ich Bescheid über die Bildung von Ausländerghettos in verschiedenen, seit jeher „sozialschwachen" Stadteilen, über die Formierung konservativer Bürger zu einer „Pro Köln"-Bewegung gegen diese Tendenzen. Harte Konfrontationen hatte es gegeben bei Protesten gegen den Bau einer Zentral-Moschee im Stadtteil Ehrenfeld.


Der Kreis meiner früheren Mitarbeiter, Freunde und Bekannten verringerte sich von Jahr zu Jahr. Interesse für meine Tätigkeit im Osten zeigten allenfalls meine ehemaligen Klassenkameraden, die sich unter Führung des weiter agierenden Klassensprechers in schöner Regelmäßigkeit jährlich in einer typisch kölschen Einrichtung trafen.  Der Zusammenhalt über viele Jahrzehnte beruhte darauf, dass wir als eine der letzten reinen Jungenklassen mit demselben Klassenlehrer die neun Gymnasialjahre im geschlossenen Klassenverband von der Sexta bis zur Oberprima durchlaufen hatten.


Im Herbst des vergangenen Jahres 2012 lud der Klassensprecher die sechs noch „fitten" Überlebenden des Abiturjahrgangs 1952, darunter auch mich, zum Gedenktreffen in eine kölsche Traditionsgaststätte im Stadtteil Ehrenfeld ein. Was mich verwunderte; denn Ehrenfeld zählte sei jeher zu den weniger attraktiven und, wie man heute sagt, „sozialschwachen" Stadtteilen Kölns. Im Volksmund hieß es wegen der politischen Orientierung seiner Bewohner „Klein Moskau". Durch Ehrenfeld verlief die Venloer Straße, eine der großen Kölner Ausfallstraßen, total verampelt und ständig verstopft. Über die Venloer Straße quälten sich die Straßenbahnlinien 3 und 5 bis zum Gefängnis in Köln-Ossendorf. Zur Zeit seiner Fertigstellung 1969 galt es als das modernste der Welt!

 

Am Hauptbahnhof nahm ich ein Taxi. In dem Gewirr von zumeist Einbahnstraßen konnte ich mich lediglich an Hand von ein paar größeren Bauten mühsam orientieren. Mit verhaltenem Stolz erklärte der recht gut deutsch sprechende Fahrer, wir kämen jetzt zur „Großen Moschee". Tatsächlich umfuhren wir ein architektonisch interessant, großzügig und eindrucksvoll gestaltetes Bauwerk, das mit seinen Zugangsflächen den Umfang mindestens eines ganzen Häuserblocks einnahm. Kurz darauf hielten wir an, der Fahrer meinte, wir seien angekommen.

 

Die Umgebung erschien mir völlig fremd, hier war ich im Leben noch nie gewesen. Das war der Orient mit seinem bunten und belebten Straßenbild. Ein Geschäft neben dem anderen, viele junge Menschen, sich lebhaft und fröhlich unterhaltend, vereinzelt Frauen in traditioneller Kleidung mit kleinen Kindern, und alle redeten in einer Sprache, die ich nicht verstand. Als Fremder empfand ich Hemmungen, mich nach der Venloer Straße zu erkundigen. Warum hatte der Taxifahrer mich nicht dorthin gebracht? Ich orientierte mich an einem Straßenschild. Die Gutenbergstraße kannte ich als eine kleinere Querstraße der Venloer Straße, auf der ich mich tatsächlich befand. Sie war „verkehrsberuhigt" worden, die Straßenbahn fuhr jetzt unterirdisch. Und dann fand ich auch die Hausnummer des Lokals, wo wir uns treffen wollten. Das Gebäude trat kaum in Erscheinung. Es trug eine schon etwas verwitterte deutsche Aufschrift und wirkte wie ein Fremdkörper in seiner bunten und quirligen Umgebung.


Bis zum Treffen war noch eine halbe Stunde Zeit. Ich nutzte sie, die Straße in beiden Richtungen auf und ab zu gehen und mich etwas umzusehen. Die Moschee mit ihren Minaretten war von überall her gut auszumachen. In einer durch ihre verdreckten Häuser dunkel und verlassen wirkenden Querstraße sah ich auf einer kleinen freien Fläche, von einigen Sträuchern umgeben, eine ebenso vernachlässigt wirkende Kirche, ein von der Zeit zurückgelassenes Überbleibsel einer vergangenen Epoche. Einer der wenigen herumlaufenden Rest-Deutschen erkannte mich gezielt als Ortsfremden und nötigte mich zum Kauf der aus zwei Blättern bestehenden Arbeitslosen-Zeitung, gedruckt in Berlin. Er sprach Kölsch. Ich gab ihm zwei Euro statt des einen, den die Zeitung kostete.

 

Die eigenartige Stimmung bei einem Gedenktreffen nach sechzig Jahren lässt sich nur schwer beschreiben. Nachempfinden kann sie vermutlich nur derjenige, der selbst auf einen so lange hinter ihm liegenden und doch auf einmal wieder so nahen Lebensabschnitt  zurück blickt. Jedenfalls hatte die kölsche Atmosphäre der Gaststätte über diese Zeitspanne hinweg ihrer Umgebung getrotzt. Es gab rheinischem Sauerbraten und Kölsch vom Fass. Außer mir hatten alle Anwesenden die in den letzten 25 Jahren stattgefundene Entwicklung mit erlebt und sich offenbar daran gewöhnt. So meinte denn der Klassensprecher, nachdem wir ein Treffen im nächsten Jahr vereinbart hatten, beim Abschied: „Isset nit schün jewoode, uns Kölle? Meer sinn jitz all multi-kulti". „Multi-kulti" stimmte zweifellos, „schön" ist Ansichtssache, aber „Kölle"?

 

Eigentlich hätte ich gewarnt sein müssen vor dem, was ich gesehen habe. Seit Jahren berichten die Medien mit jeweiligen Hieben nach rechts über die ethnische und demografische Entwicklung großer Städte wie Köln, Duisburg, Frankfurt, Bremen und vor allem Berlin, dessen Bezirksbürgermeister, gedeckt durch SPD-Mitgliedschaft, kein Blatt mehr vor dem Mund nimmt. Der Titel seines Buchs „Neukölln ist überall" trifft den Nagel auf den Kopf. Beide, Sarrazin und Buschkowski, haben mit Recht den untauglichen Versuch einer Integration rassisch und weltanschaulich fremder Ethnien für gescheitert erklärt. Und bei allem verklärenden Geschwätz unserer Gutmenschen ist eine Lösung der weiter anschwellenden Problematik auch nicht ansatzweise erkennbar.

 

Unter allen von ungehemmter Immigration betroffenen Großstädten bietet die altehrwürdige und traditionsreiche Stadt Köln nicht nur ein besonders eindrucksvolles Kontrastbild des Aufeinanderprallens zweier Kulturen, Köln zeigt vielmehr auch die wahrscheinliche Richtung der zukünftigen Entwicklung auf. Es ist nicht die als Schreckgespenst dargestellte Ghettoisierung. Es ist auch mehr als nur eine „Parallelgesellschaft". Was Deutschland erwartet, ist das auf Dauer angelegte rassische, ideologische, kulturelle sowie gesellschaftlich-politische Nebeneinander zweier oder sogar weiterer mehr oder weniger selbständiger und voneinander unabhängiger völkischer Gebilde auf dem Territorium eines Staates, der seine zentrale Autorität selbst abgebaut und auf  „Europa" verlagert hat. Schon bei der Wiedervereinigung ließ der damalige Bundeskanzler Kohl keinen Zweifel an seiner Absicht, den nach der Niederlage 1945 noch verbliebenen Ostteil Deutschlands, aus dem man die DDR gebildet hatte, in das ihm vorschwebende Konstrukt„Europa" einzubringen. Das heißt mit anderen Worten: Auf dem deutschen Staatsgebiet, dessen Führung ihre Souveränität weitestgehend an „Europa" abgegeben hat, wird es in naher Zukunft mehrere autonome Gruppierungen geben, die ihre inneren Angelegenheiten selbst verwalten. Ihnen übergeordnet ist in letzter Instanz der Verwaltungsapparat der Europäischen Union.


Heute bekennen sich nach den vorliegenden Statistiken fünf Prozent der in Deutschland lebenden Menschen zum Islam. Den weitaus größten Anteil davon bildet die stetig wachsende Gemeinschaft der Türken mit zurzeit drei Millionen, das sind fast vier Prozent. Zwischen den Türken und den übrigen verstreut lebenden Muslimen meist arabischer Herkunft besteht trotz derselben Religion kaum eine Gemeinsamkeit. Auf Grund der von außen gesteuerten politischen Fehlentwicklung in Afrika und Vorderasien (Palästina, Ägypten, Syrien, Irak, Afghanistan, jetzt neuerdings Mali usw.) ist schon in naher Zukunft ein deutlicher Anstieg artfremder Bevölkerungsteile zu erwarten. Im Übrigen schätzen Experten, dass die Zahl der sich in Deutschland illegal aufhaltenden Ausländer fast ebenso hoch ist wie die der registrierten.

 

Unsere europäische Geschichte des 18. und 19. Jahrhunderts kennt die Bildung von ethnischen Enklaven auf dem Gebiet  bereits ansässiger Völker. So haben die von Katharina der Großen in Russland angesiedelten Deutschen oder auf dem Balkan die Bessarabiendeutschen in guter Nachbarschaft mit den sie umgebenden Stammvölkern zwei Jahrhunderte lang ihre nationalen Eigenheiten bewahrt. Sie waren zwar staatsrechtlich dem jeweiligen Staat, in dem sie eine Minderheit bildeten, zum Gehorsam verpflichtet, genossen aber völlige kulturelle Freiheit. Notwendig zur Aufrechterhaltung dieses Status war allerdings die Möglichkeit von Kontakten zur früheren Heimat. Diese endeten abrupt mit dem Zweiten Weltkrieg. Die betroffenen Menschen kehrten entweder „heim ins Reich", oder sie wurden umgebracht oder zwangsintegriert.


Natürlich darf man trotz der prinzipiellen Vergleichbarkeit wesentliche Unterschiede zwischen den Wolgadeutschen und Donauschwaben einerseits und den Rhein-bzw. Spreetürken andererseits nicht übersehen. Die Auswanderung der Deutschen vollzog sich innerhalb ein und desselben, in 2000 Jahren gewachsenen Kulturkreises, wogegen bei der Einwanderung von arabischen und türkischen Menschen völlig anders geartete Ethnien mit ihren Kulturen aufeinander stoßen. Den deutschen Auswanderern wurde in weiten, bisher unbesiedelten Landschaften eine begrenzte Autonomie ihrer Lebensweise von vornherein garantiert. Andererseits ergaben sich für die Auslandsdeutschen viel größere Schwierigkeiten bei der Wahrung ihrer völkischen Identität. Sie verloren ihre Staatsangehörigkeit, Besuche in ihrer alten Heimat waren praktisch nicht möglich, und in der neuen Heimat gab es keine Einrichtung, die sich die Verbindung der Auswanderer mit ihrem früheren Heimatland zur Aufgabe gemacht hätte. Dagegen können in Deutschland ansässige ausländische Staatsbürger dank moderner Kommunikationsmittel eine praktisch unbegrenzte Verbindung zu ihrem Herkunftsland aufrechterhalten. Und nicht nur das.

 

 

Für die Betreuung und Interessenwahrnehmung der Türken in Deutschland (in Österreich gibt es eine ebensolche Einrichtung) sorgt die DITIB, ein beim Amtsgericht Köln eingetragener Verein mit Sitz in Köln-Ehrenfeld. In deutscher Übersetzung heißt er „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.". Es ist dies der Dachverband für die Koordinierung der unzähligen, über das ganze Bundesgebiet verstreuten Moscheegemeinden. Die DITIB ist nicht etwa, wie bei uns üblich, ein privater, von den Mitgliedern getragener Klub. Sie untersteht vielmehr der dauerhaften Leitung, Kontrolle und Aufsicht eines Präsidiums, das dem türkischen Ministerpräsidialamt angegliedert ist. Die DITIB veranlasst Neubauten von Moscheen sowie die Entsendung von Hodschas (Gemeindeleiter und Vorbeter) aus der Türkei, die als Staatsbedienstete für vier Jahre in die Bundesrepublik kommen und oft  nicht einmal die deutsche Sprache beherrschen. Sie werden vom türkischen Staat besoldet und beaufsichtigt.


Die DITIB verhandelt mit den deutschen Behörden auf gleicher Augenhöhe. Im „Kölner Stadt-Anzeiger" las man am 4.1.2013 unter der Überschrift „Die Ditib brüskiert Köln": „Achtung,! Sie stehen auf türkischem Territorium. Ein solches Schild müsste eigentlich vor dem Rohbau der Kölner Zentralmoschee an der Inneren Kanalstraße stehen. Denn der Bauherr, die Türkisch-Islamische Union (DITIB) geht mit ihrem deutschen Partner um, als handele es sich bei dem Gotteshaus um türkisches Hoheitsgebiet. Wieder einmal ist der Kölner Moschee-Beirat ...brüskiert worden.  ... Doch steht der Beirat stellvertretend für die Kölner Öffentlichkeit. ... Die Moschee steht heute nicht mehr infrage. Der Bau ...wird mehr als ein Gotteshaus sein. Er ist auch ein Symbol dafür, wie man miteinander umgeht. Zurzeit muss man konstatieren, dass diese Moschee auch für Intransparenz und eine verletzende Achtlosigkeit den Kölnern gegenüber steht."

 

Dass eine Moschee mehr ist als nur ein Gotteshaus, müsste einem Jeden klar sein, der auch nur ansatzweise über den Islam Bescheid weiß. In der Moschee wird nicht nur gebetet; sie ist darüber hinaus im weltlichen Sinne die zentrale Einrichtung, die dem Moslem die Lehren des Islam vermittelt, wo er auf mannigfache Weise moralischen und gesellschaftlichen Halt sucht und findet. Peter Scholl-Latour, einer der ganz wenigen wirklichen Kenner des Islam, formuliert treffend: „Wir wären eher in der Lage, mit dem Islam zu diskutieren, wenn wir selber noch religiöse Überzeugung hätten; denn dann könnten wir auf demselben Niveau sprechen. Aber der Mensch, der auf Religion verzichtet hat, der ein Atheist ist, ist für den Moslem ein Tier".

 

Wir haben es beim Islam mit einer Weltanschauung zu tun, die in ihrem Grundsatz keine Trennung zwischen weltlichen und religiösen Angelegenheiten kennt, was bei uns seit langem so selbstverständlich ist, dass man es gar nicht mehr anders kennt. Oberstes Gesetz ist der Wille Allahs, wie er im Koran zum Ausdruck kommt. Der Islam ist eine nicht allein auf das Jenseits ausgerichtete Gesetzesreligion, er bestimmt auch alle Bereiche des täglichen Lebens wie zum Beispiel das Familienleben, das Verhältnis zu Ungläubigen oder Angehörigen anderer Glaubensrichtungen, die Beziehungen der Menschen zueinander, den Begriff von Krieg und Frieden und vieles Andere mehr. Wenn der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyck, erklärt, „Scharia und Grundgesetz sind miteinander vereinbar", so ist das zu verstehen einerseits als Spekulation auf die totale Ignoranz seiner deutschen Gesprächspartner, andererseits als Ausfluss der vom Propheten erteilten Erlaubnis, in gewissen Situationen sogar die eigene Religion zu verleugnen, wenn es nur dem guten Zweck dient.

 

Es würde den Rahmen des Themas sprengen, wollte man, was leicht möglich wäre, die Unvereinbarkeit der in manchem moralisch höher stehenden Anforderungen des Islams mit der zunehmend dekadenten Lebensweise unserer „westlichen Wertegemeinschaft" an Hand von Zitaten belegen. Sichtbares Zeichen für den gegenwärtigen Zustand beider Lebensbereiche und die Entwicklungstendenzen sind die geschlossenen und abgerissenen  Kirchen des niedergehenden Christentums einerseits und die wie Pilze aus dem Boden schießenden Moscheen andererseits.


Nicht alle in Deutschland lebenden Türken sind gläubige Moslems. Doch auch die Mehrzahl derjenigen, denen man die deutsche Staatsangehörigkeit regelrecht aufgedrängt hat, sind, wie sie immer wieder betonen, in ihrem Herzen Türken geblieben. Sie werden es auch bleiben, je größer ihr Bevölkerungsanteil wird, sei es durch eine höhere Geburtenrate, sei es durch weitere Zuwanderung aus dem Mutterland. Auch die in Deutschland geborenen Türken oder Angehörigen anderer arabischer Länder fühlen sich nicht als Deutsche. Zum politischen Leben in Deutschland hat die große Masse, mit Ausnahme von einigen perfekt deutsch sprechenden Vorzeigetürken, überhaupt keine Beziehung.

 

Wenn dagegen, wie zu osmanischen Zeiten der Wesir des Sultans, der türkische Ministerpräsident Erdogan seine über Europa verstreuten Landsleute besucht, feiern diese ihn mit Ovationen, von denen der Bundespräsident nur träumen kann. Und wenn der türkische Regierungschef auf einer Volksversammlung in der knackevollen Kölnarena den 20.000 auf ihn wartenden „geliebten Brüdern und Schwestern" (offizielle Version: türkischstämmige Europäer! Siehe oben!) verkündet, es sei ihr natürliches Recht, den Kindern die Muttersprache beizubringen, und Integration sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, so steht das nicht im Widerspruch zu seiner Aufforderung, die Vorteile der Bildungseinrichtungen in Deutschland zu nutzen. „Wenn ihr die Landessprache nicht sprecht, ist das ein Nachteil." Stimmt. So kann man sich besser behaupten. Erdogans Botschaft ist klar: „Ihr lebt zwar in Deutschland. Aber ihr seid Türken, und ich bin euer Ministerpräsident. Gebot der Stunde ist die Aufnahme unseres Heimatlandes in die Europäische Gemeinschaft."

Man stelle sich vor: Hitler besucht seine deutschen Landsleute an der Wolga, lässt sich von ihnen bejubeln und verkündet: „Ihr lebt zwar in Russland. Aber ihr seid Deutsche, und ich bin euer Führer!"

Und wie reagiert das offizielle Deutschland? Der frühere Bundespräsident Wulff in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung" anlässlich des Besuchs von Abdullah Gül, türkischer Staatspräsident: „Die Türkei ist ein Beispiel dafür, dass Islam und Demokratie, Islam und Rechtsstaat, Islam und Pluralismus kein Widerspruch sein müssen". Oder am 20. Gedenktag der deutschen Wiedervereinigung: „Nicht nur Christentum und Judentum, auch der Islam gehört inzwischen zu Deutschland". Womit er, wie wir gesehen haben, nur zu recht hat.

Die örtlichen Behörden lassen sich das selbstherrliche Gebaren der DITIB widerstandslos gefallen. Gelegentlich bitten sie weinerlich-vorwurfsvoll, man solle sie doch nicht ganz übergehen. Widerstand aus der einheimischen Bevölkerung wird als rechtsextremistisch und rassistisch diagnostiziert und entsprechend therapiert. Der Kölner SPD-Bezirksbürgermeister Josef Wirges lobt seinen Bezirk als „altes sozialdemokratisches Arbeiterviertel mit multikulturellem Mehrwert". Der frühere CDU-Oberbürgermeister Fritz Schramma streitet nach wie vor wortreich für die Zentralmoschee, auch wenn er dafür Antworten erhält wie „Wer hat in Deutschland was zu sagen? Wir oder die Türken und Juden?" Doch ausgerechnet der jüdische Schriftsteller Ralph Giordano sieht in der Moschee das „Wahrzeichen einer schleichenden Islamisierung" und eine „Kriegserklärung".

Und die christlichen Kirchen? Um der allgemeinen Kritik nicht einen weiteren Angriffspunkt zu liefern, üben sie „Toleranz" oder breiten über das Geschehen den Mantel des Schweigens aus. Ein Beispiel: Der Kölner Stadtteil Vingst bildet einen sozialen Brennpunkt wegen hoher Arbeitslosigkeit und eines Ausländeranteils von dreißig Prozent. Etwa die Hälfte der Einwohner bekennt sich zumindest formell zum Christentum. Dort spendete im März 2007 der im sozialen Bereich sehr engagierte katholische Pfarrer und „alternative Ehrenbürger" Franz Meurer (der „Don Camillo" von Vingst) die Kollekte einer Sonntagsmesse (811 Euro und 57 Cent) der DITIB, um damit zur Ausstattung der neuen Zentralmoschee in Ehrenfeld beizutragen. Das Erzbistum unter der Führung von Kardinal Meisner war alles andere als begeistert, zumal der Gottesmann auch sonst erklärtermaßen nichts von Dogmen und den katechetischen Lehren des Heiligen Vaters hält. So verteilt er die Antibabypille und unterhält neben der Kirche einen Spritzen- und Kondomautomaten. Wie würden wohl in einem solchen Falle der Hodscha und die DITIB reagieren?

 

Es wäre nicht nur oberflächlich, sondern auch kurzsichtig und grundfalsch, wollte man die Problematik allein auf den religiösen Sektor beschränken. Im Widerstreit zwischen Christentum und Islam als Religionen kann es weder Toleranz noch Kompromisse geben, geht es hierbei doch um die Beantwortung der Frage, ob der Mond quadratisch oder rechteckig ist. Der Islam ist jedoch, wie schon ausgeführt, im Gegensatz zum Christentum eine im Wesentlichen auf das Diesseits bezogene Gesetzesreligion. Das weiß auch Erdogan, wenn er den Islam politisch instrumentalisiert und dazu benutzt, für sein Volk innerhalb ganz Europas feste Stützpunkte, türkische Kolonien zu schaffen. Auf der Basis inTrümmer zerfallender oder sich selbst abschaffender Nationalstaaten vermag er seinem Land Ansehen und Nutzen zu verschaffen, er lässt es zu einer neuen, einflussreichen politischen Größe werden. Zum Erreichen dieses Ziels dürfen die in der Diaspora lebenden Türken sich nicht integrieren, sie dürfen nicht ihre nationale Identität verlieren. Und dass die in ihrem Volkstum noch unverbrauchten und nicht abendländisch degenerierten Türken zu Großem fähig sind, haben sie vor der Geschichte Jahrhunderte lang bewiesen.

 

Um nicht missverstanden zu werden: Erdogan und seine Landsleute haben meine Bewunderung. Als bekennender Deutscher beneide ich das Volk um seine moralische Kraft, sein ungebrochenes nationales Selbstverständnis und seine, wenn auch gelegentlich orientalisch übertriebene, Begeisterungsfähigkeit. Für uns, die weitgehend der Realität entfremdete und vom Eigennutz moralisch korrumpierte „abendländische Wertegemeinschaft", allen voran wir Deutschen mit unserer als Humanität und Toleranz vorgeheuchelten Geschichts- und Gesichtslosigkeit, gilt dagegen: Quos deus perdere vult, dementat prius - Wen Gott (oder Allah) zugrunde richten will, den bringt er erst einmal um seinen Verstand.

 

Kölle Allah!

 

Weitere Meldungen aus dieser Rubrik

Ruppert meint…Nr. 15

Ruppert meint...Nr. 15 Rechtsbeugung Justiztragödie in drei Akten 2. Akt: Eine rechtsstaatliche... [zum Beitrag]

Ruppert meint…Nr.6

Ruppert meint…Nr.6   Das Imkersterben „Erst hat man Bienen, dann haben die Bienen einen“ lautet eine alte... [zum Beitrag]

Ruppert meint...Nr. 24 Der...

Ruppert meint...Nr. 24 a Der hässliche Deutsche 1. Teil: Seine Entstehung Wieder einmal ist... [zum Beitrag]

Ruppert meint...Nr. 14

Ruppert meint...Nr. 14 Rechtsbeugung Justiztragödie in drei Akten 1 Teil: Die Müller der Justiz ... [zum Beitrag]

Ruppert meint…Nr. 13

Ruppert meint...Nr. 13: Meinungsfreiheit Wie ein rotes Band zieht sich quer durch die Geschichte der... [zum Beitrag]

Ruppert meint...Nr. 10

Ruppert meint...Nr. 10 Terror Die Zerstörung des World-Trade-Centers in New York am 11. September 2001... [zum Beitrag]

Ruppert meint Nr.4

Ruppert meint…Nr.4  Der dekorierte Mensch „Der Rang, so wichtig er in den Augen des großen Haufens und... [zum Beitrag]

Ruppert meint...Nr. 23 Nicht für die...

Ruppert meint...Nr. 23 Nicht für die Schule... „Also lautet ein Beschluss, Dass der... [zum Beitrag]

Ruppert meint...Nr.26 Allahu akbar

Ruppert meint...Nr.26  Allahu akbar Mit dem Ruf „Allahu akbar" - sinngemäß „Gott steht über Allem" -... [zum Beitrag]