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Ruppert meint…Nr.6

Datum: 01.05.2011
Rubrik: Kolumne

Ruppert meint…Nr.6   Das Imkersterben


„Erst hat man Bienen, dann haben die Bienen einen“ lautet eine alte Imkerweisheit. In der Tat ist die Beschäftigung mit Bienen eine Leidenschaft, die den echten Imker nie wieder loslässt. Mit seinen Bienen erlebt er den Ablauf der Natur über das ganze Jahr und lernt immer wieder Neues hinzu. Mindestens vier Bienenjahre müssen vergehen, bis er die wichtigsten Erfahrungen gesammelt hat,  und trotzdem wird er immer wieder überrascht. Was ihn  besonders reizt (der „Kick“) ist der Umstand, dass selbst gediegenes Fachwissen und großer Einsatz nicht immer den von vielen Risiken bedrohten Erfolg seiner Mühen garantieren. Durchweg bedeutet Imkern harte Knochenarbeit, eine volle Zarge kann bis zu 30 Kilo wiegen. Keinesfalls stimmt das romantische Bild des gemütlich sein Pfeifchen rauchenden Rentners, der mit seligem Lächeln vor seinem Bienenstock eine gefüllte Honigwabe in der Hand hält. Gelegentlich vergleiche ich mein Verhältnis zur Imkerei mit meiner früheren Liebe zum Skatspiel. Welche Karten man erhält, obliegt dem Zufall. Der Gewinn ist dann die Bestätigung für ein gutes Spiel..

Fazit Nr. 1: Bienen sind nichts für einen nur kurzen Zeitabschnitt.


Sobald die Temperaturen zehn Grad übersteigen, sind sie wieder da, die lieben Bienchen, zur Freude des Imkers und zum Verdruss seiner Nachbarn. Damit sind wir auch schon bei der ersten von mehreren Antworten auf die Frage, warum es von Jahr zu Jahr weniger Imker und damit auch weniger Bienen gibt. Dies, obwohl auch der verbissendste Verfechter einer insektenfreien Privatsphäre sich nicht der Tatsache verschließen kann, dass die Bienen zur Bestäubung der Pflanzen als Voraussetzung zur Fruchtbildung durch nichts Gleichwertiges ersetzt werden können, weder durch Selbstbestäuber noch durch andere, weniger lästige Insekten. Nur die Bienen überwintern in hinreichend großen Kolonien und sind rechtzeitig zur Stelle, wenn die Natur sie im Frühjahr braucht, vor allem bei der Obstblüte.

Wild lebende Bienen gibt es schon lange nicht mehr. Die fortschreitende Zersiedelung unserer Landschaft mit der Schaffung immer neuer Wohnbereiche drängt die Imker unaufhaltsam zurück. Es gibt keine besonderen Vorschriften, die die Bienenhaltung generell gestatten oder verbieten. Maßgeblich ist das Bürgerliche Gesetzbuch, soweit es sich mit den Rechten aus dem Grundstückseigentum befasst. Das bedeutet, so lange der Nachbar durch die Bienen „nicht oder nur unwesentlich“ gestört wird, womöglich selbst Bienen hält, herrscht Ruhe und Frieden. Anders dagegen, wenn die Bienen lästig fallen. Dann wird ihr Sein oder Nichtsein durch das Kriterium der „Ortsüblichkeit“ bestimmt. Was ortsüblich ist, beurteilt in jedem einzelnen Falle das Gericht. Und die Urteile der Obergerichte tendieren durchweg dahin, die Ortsüblichkeit der Bienenhaltung in einem Wohngebiet generell zu verneinen. In letzter Zeit hört man immer wieder von Forderungen der Imker und auch Bereitschaft der Gemeinden, die Ortsüblichkeit der Bienenhaltung in die Gemeindesatzung aufzunehmen. Mir unverständlich. Es mag besonders gelagerte Ausnahmen geben, ich selbst kenne keine. Kurz gesagt, der Hobby-Imker ist auf das Wohlwollen seiner Nachbarn angewiesen.

Die größte Angst hat der Nachbar vor dem Stachel der Bienen. Zu Recht. Zwar stechen Bienen im Gegensatz zu anderen Insekten im Allgemeinen nur, wenn sie angegriffen werden oder sich angegriffen fühlen, doch wie will man ihnen eine friedliche Absicht klar machen? Wenn zum Beispiel bei Trockenheit der Nachbar seinen Rasen sprengt, freuen sich die Bienen über die ideale Tränke. Läuft jemand barfuß darüber, kann man es keiner Biene verdenken, wenn sie das übel nimmt.

Es gibt mehr oder weniger aggressive Bienen. Der Imker versucht natürlich, nur friedliche Völker zu halten, was aber nicht immer gelingt. Man kann vom Nachbarn nicht erwarten, dass auch er sich gegenüber Bienen professionell verhält. Selbst die friedlichste Biene reagiert wütend auf bestimmte Chemikalien, zum Beispiel auf Nitrolacke, Haarspray oder Alkoholdunst. Dasselbe gilt für Hautausdünstungen, die nicht einmal von der nächsten Umgebung der Betroffenen wahrgenommen werden. Bienenstiche sind meistens nur schmerzhaft, doch ungefährlich, außer bei einer ständig zunehmenden Zahl von Allergikern gegen Bienengift. Als ich vor vier Jahrzehnten mit der Bienenhaltung begann, schätzte man ihren Anteil auf unter ein Prozent, heute dürfte er wesentlich höher liegen. Laut Statistik sterben in Deutschland jährlich 15 Menschen an Insektenstichen, in der Mehrzahl durch Bienenstiche. Zu dem Thema könnte ich aus meiner eigenen Erfahrung als Imker ebenso wie als Sachverständiger in Nachbarschaftsprozessen noch viel sagen, es würde aber zu weit führen. Tatsache ist: Bienen können gefährlich werden.

Fazit Nr. 2: Wer Bienen halten will, braucht unbedingt einen Standort, wo er keine Schwierigkeiten befürchten muss.


Hat der Jungimker einen problemfreien Platz gefunden, folgt die Beschaffung der Bienenvölker und des für die Bearbeitung notwendigen Zubehörs. Es ist ratsam, mit wenigstens drei Völkern anzufangen. Jüngst bezifferte ein Imkerkollege in einem Presseartikel die notwendige Investition auf etwa 4.000 Euro. Die Zahl ist realistisch. Jeder, der neu beginnt, muss sich hüten vor den günstigen Angeboten wohlwollender Kollegen, die nur ihren alten Schrott los werden wollen. Immer wieder musste ich staunen, welche entweder schrott- oder museumsreifen Gegenstände hierzulande noch verwendet werden. Bis sich die Neuanschaffung wirtschaftlich bezahlt macht, vergehen mindestens einige Jahre. Normalerweise amortisiert sich die Kleinbienenhaltung überhaupt nicht, wenn man den Zeitaufwand mit berücksichtigt. Doch das ist bei Kaninchen und Hühnern nicht anders.

Nach meiner Erfahrung kann man erst bei mindestens 20 Völkern mit einem eher bescheidenen Gewinn rechnen, der über den sachbezogenen Kosten liegt und so auch den Zeitaufwand berücksichtigt. Dabei wird vorausgesetzt, dass der Imker seine Bienenvölker ein- oder mehrmals im Jahr vorübergehend in einer besonders günstigen Trachtgegend aufstellt, dass er mit ihnen „wandert“, zum Beispiel in die Obstblüte, den Raps, die Robinie (Akazie), die Linde, die Sonnenblume, die Heide usw. Deutscher Honig ist zwar qualitativ hochwertig und wird von Kennern geschätzt, sein Preis wird jedoch maßgeblich beeinflusst von der wesentlich billigeren ausländischen Konkurrenz. Darüber im Einzelnen später. Selbst größere Imkereien mit mehreren hundert Völkern können von den Bienen und ihren Produkten allein nicht existieren. Haupterwerbsquelle ist vielfach ein Schreinerbetrieb, der unter anderem auch Bienenwohnungen herstellt.

Fazit Nr. 3: Die Imkerei dient nur als Hobby, wirtschaftlich allenfalls in Verbindung mit einer weiteren Erwerbsquelle.


Seit einigen Jahrzehnten befindet sich die Landwirtschaft in einer Umbruchsphase, wie es sie bisher noch nie gegeben hat und die auch noch lange nicht abgeschlossen ist. In Ländern mit riesigen gleichartigen Anbauflächen (Monokulturen) wird auch die Bienenhaltung zu Zwecken der Pflanzenbestäubung und Honiggewinnung industriell betrieben. So werden zum Beispiel in den Südstaaten der USA während der Wintermonate massenweise in Laboratorien und Zuchtanstalten Bienenvölker auf eine Weise produziert, die kaum noch einen Vergleich mit unserer traditionellen Imkerei ermöglicht. Es ist eine Vergewaltigung ihrer natürlichen Lebensweise ähnlich wie bei der Massentierhaltung. Diese künstlich zusammengesetzten standardisierten Bienenvölker werden im Frühjahr auf Abruf zu Hunderttausenden in den Agrarflächen Nordamerikas oder Kanadas eingesetzt. Sie liefern enorme Erträge mittels mechanisierter Erntemethoden. Unsere heimische Imkerei lässt sich damit auch nicht annähernd vergleichen, selbst wenn einige Großbetriebe mit 500 Völkern und mehr neben dem Honig auch an Bestäubungsprämien verdienen.

Die Monokulturen ermöglichen zwar hohe Erträge, sind aber auch besonders anfällig für Schädlingsbefall. Dem geht die Landwirtschaft mit giftigen Chemikalien zu Leibe, denen sehr häufig auch die Bienen ausgesetzt sind. Besonders im süddeutschen Raum hat der Einsatz von Insektenbekämpfungsmitteln (Isektiziden), die man entweder versprüht oder mit denen der Samen behandelt wird, zu gewaltigen Bienenverlusten geführt. Im Einzelnen sind die Mittel und ihr Einfluss auf die Bienen manchmal schwer nachzuweisen. Trotz aller scheinheiligen Dementis geht die allgemeine Tendenz dahin, derartige Schäden möglichst zu leugnen oder zu vertuschen. Ich selbst stand gelegentlich vor unerklärlichen Bienenverlusten, hatte zwar einen bestimmten Verdacht, aber keinen konkreten Nachweis. Auch bei nur geringen oder gar keinen Bienenverlusten besteht die Wahrscheinlichkeit, dass schädliche Substanzen in den Honig gelangen, der auch heute noch als eines der saubersten Lebensmittel gilt. Darüber später mehr.

In weiten Bereichen noch unklar sind die Auswirkungen von Genveränderungen auf die Bienen, den Honig und die anderen Bienenprodukte wie Pollen oder Propolis (Kittharz). Wie weite Kreise in der Landwirtschaft, so lehnen auch die Imker die Genveränderung ihrer Trachtpflanzen zumindest so lange ab, als noch keine gesicherten Erkenntnisse über die Auswirkungen vorliegen. Hier sind jedoch die Imker der Entwicklung in der Landwirtschaft hoffnungs- und widerstandslos ausgeliefert.

Fazit Nr. 4: Die moderne Landwirtschaft beeinträchtigt zunehmend die Bienenhaltung.


Wie bereits ausgeführt, verspricht nur die Massenhaltung von Bienenvölkern, verbunden mit „Wandern“, wirtschaftlich lohnende Honigerträge. Doch so wie in der Landwirtschaft die Monokulturen den Schädlingsbefall begünstigen,  so trägt die Massenhaltung von Bienen zur schnellen Verbreitung von Krankheiten bei. Es gibt seit jeher viele solcher Bienenkrankheiten, die häufig auf ungünstigen Lebensumständen beruhen und epidemisch, das heißt nur vorübergehend, auftreten und nach Beseitigung der Ursachen wieder verschwinden. Das gilt nicht für die so genannte „amerikanische“ oder auch „bösartige“ Faulbrut sowie die Varroose oder auch Varroatose.

Die Amerikanische Faulbrut tritt weltweit auf, ihr Name „amerikanisch“ bezieht sich nur auf den Ort der Entdeckung ihres Verursachers. Zerstörerische Bakterien befallen ausschließlich die Brut, was dann nach etwa zwei Jahren unweigerlich zum Untergang des ganzen Volkes führt. Die Krankheit fällt im Anfangsstadium äußerlich nicht auf. Sie ist hoch ansteckend und wird in erster Linie durch die Flugbienen übertragen. Der Honig bleibt genießbar. Wenn die Bakterien ihr Werk verrichtet haben, bleiben überall auf dem Bienenstand ihre Sporen zurück, die auch durch den Menschen übertragen werden, zum Beispiel durch kontaminierte (angesteckte) Gerätschaften oder Honigreste in weggeworfenen Gläsern. Diese für das menschliche Auge unsichtbaren Sporen können mehr als fünfzig Jahre überdauern. Ohne  begleitende Hygienemaßnahmen kann es daher immer wieder an allen möglichen Orten unvorhersehbar zum Ausbruch der Faulbrut kommen

Die Amerikanische Faulbrut gehört zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen. Der betroffene Bienenstand wird gesperrt. Im Umkreis von mindestens einem, meist aber mehreren Kilometern wird ein Sperrbezirk eingerichtet, innerhalb dessen alle Bienenvölker vom Veterinär überprüft werden. Aus dem und in den Sperrbezirk dürfen keine Bienen verbracht werden. Das bedeutet in der Praxis ein eventuell mehrjähriges Wanderverbot.  Der gewonnene Honig darf nicht verkauft werden. Die von der Faulbrut betroffenen Bienenvölker sind entweder zu vernichten oder mittels eines aufwendigen Kunstschwarmverfahrens zu sanieren. Der bemitleidenswerte Imker wird von seinen Kollegen gemieden, als sei er selbst verseucht. Ich selbst habe vor etwa 25 Jahren einen Fall von nur leichtem Faulbrutbefall aus nächster Nähe erlebt. Meine eigenen Bienen hatte ich am Vortag der zu erwartenden Sperre - zugegeben halblegal – weggeschafft und dabei Glück gehabt. Wer einmal eine gründliche Sanierung erlebt hat, wird sich überlegen, ob er weiterhin Bienen hält. Auch wenn er für die vernichteten Völker aus der Seuchenkasse eine Entschädigung erhält.

Weltweit wird die Amerikanische Faulbrut mit Antibiotika bekämpft. Unter den Ausnahmeländern, in denen jegliche Chemikalien untersagt sind, befinden sich Deutschland und Österreich.  Der Einsatz von Antibiotika hat nämlich zwei gravierende Nachteile. Deren erster ist, dass der Erreger nur in seiner aktiven Wachstumsphase abgetötet wird, die Sporen als eine Dauerform können dagegen unsichtbar weiter übertragen werden. In der Praxis sind Erwerbsimker, vor allem Großimkereien mit mehreren hundert oder, wie zum Beispiel in den USA, Tausenden von Völkern auf eine vorbeugende Behandlung angewiesen, sie würden im Falle des Ausbruchs der Seuche ruiniert. Allein schon die Menge der Völker macht eine zuverlässige Kontrolle unmöglich. Gegen die Behandlung mit Antibiotika spricht zweitens, dass Reste davon in den Honig gelangen. In geringen Mengen ist dieses zwar gesundheitlich unbedenklich, widerspricht aber dem gesetzlichen Reinheitsgebot des Honigs. Erst vor wenigen Wochen ging eine Mitteilung durch die Fachpresse und eine Lokalzeitung:
„Honig mit Antibiotika verseucht. Der Kreis Siegen-Wittgenstein beschlagnahmt       
die Jahresproduktion eines Imkers, weil dieser die Faulbrut mit Tierarznei
behandelte und der Honig deshalb mit Antibiotika verseucht wurde. … Rund eine
Tonne des kontaminierten Honigs wurde sichergestellt und soll verbrannt werden.
Seit etwas mehr als einer Woche beschäftigt sich die Siegener Staatsanwaltschaft
mit dem Fall…“

Kommentar überflüssig.


Als weitere große Plage erwähnte ich die Varroose (Varroatose). Sie ist keine Krankheit, sondern der Befall mit einer Ende der siebziger Jahre aus Asien eingeschleppten, etwa         1,5 mm großen Milbe, die sich in der Bienenbrut entwickelt und schon in diesem Stadium großen Schaden verursacht. Die erwachsene Milbe beißt sich bei der Honigbiene wie eine Zecke fest und saugt sie allmählich aus. Im Größenverhältnis zum Menschen entspräche der Parasit etwa einem blutsaugenden Kaninchen. Es gibt heute in Europa praktisch kein varroafreies Bienenvolk mehr. Der Schädling wird mit den verschiedensten Mitteln bekämpft, führt aber immer wieder zu mehr oder weniger großen, bisweilen unerklärlichen Bienenverlusten. Anschaulich ist der Vergleich mit dem Gärtner, der das Unkraut nie ganz los wird, es aber so klein zu halten versucht, dass es den Nutzpflanzen nicht allzu sehr schadet.

Der Imker kennt einige natürliche Methoden zur Varroabekämpfung, doch geht es letztlich nicht ohne den Einsatz von mehr oder weniger lebensmittelverträglichen Chemikalien. Dabei schwört jeder Imker auf seine eigene Methode. Anders als bei der Faulbrut drückt man hier gelegentlich ein Auge zu. Trotzdem hat sich schon mancher Imker nach herben Bienenverlusten geschlagen gegeben und aufgehört. 
.
In großflächigen Ländern wie beispielsweise den USA, Australien, Russland, China wird die Bienenzucht und Bienenhaltung mit billigen Arbeitskräften industriell betrieben und wirft entsprechende Erträge ab. Diese Massenproduktion bestimmt den Honigpreis auf dem Weltmarkt. Er beträgt nur einen Bruchteil unseres heimischen Erzeugeraufwandes.

Manche von Ihnen werden sich noch an die alarmierenden Meldungen vom Massensterben der Bienen in den USA  2006/2007 erinnern, wodurch die kalifornischen Mandelplantagen nicht mehr ausreichend bestäubt werden konnten. Die Ursachen sind nach wie vor ungeklärt. Vermutlich  spielte hier auch die Varroa eine Rolle, erklärt das Phänomen aber nicht allein.

Ein Gutes haben die deutschen Gesetze sicherlich, sie garantieren dem Kunden einen chemiefreien Honig, wenn auch zu einem Preis, der mehr als doppelt so hoch ist wie der von „Auslandhonig“. Letzterer wird in den Supermärkten fast ausschließlich angeboten, da die einheimische Produktion nur weniger als 20 Prozent des relativ hohen deutschen Bedarfs abdeckt. Vorsicht! Nicht selten wird als deutsch verkauft, was nicht deutsch ist. Die Herkunft des Honigs muss auf dem Etikett stehen.

Fazit Nr. 5: Die Faulbrut kann wie der Bankrott zum Ende mit Schrecken werden, die Varroose ist als Hypothek ein Schrecken ohne Ende.

Fazit Nr. 6: Deutscher Qualitätshonig ist auf dem globalisierten Markt nicht konkurrenzfähig.


Das wohl wesentlichste Problem unserer Imkerei ist der Nachwuchsmangel. Die deutsche Imkerschaft weist ein Durchschnittsalter von über 60 Jahren auf. Es kommen nur wenige neue  hinzu, Tendenz weiter abnehmend. Nach meiner persönlichen Einschätzung beruht diese Entwicklung nicht nur auf den vorstehend beschriebenen Erschwerungen der Bienenhaltung bei gar keinem oder geringem Profit, sondern nicht zuletzt auch auf der Tatsache, dass die Imkerei nicht im Einklang steht mit den Ansprüchen an die Lebensführung jüngerer Menschen, gleichgültig welchen Geschlechts.

Dass die Hobby-Imkerei so gut wie keinen echten Gewinn abwirft, ist in unserer materiell orientierten Zeit sicher ein gewichtiges Argument, die Zeit auf andere Weise in Geld umzumünzen. Überzeugender Beweis hierfür ist der schlagartige Rückgang der ostdeutschen Imker nach der Wende auf einen Bruchteil ihres früheren Bestandes. Viele von ihnen denken dabei wehmutsvoll zurück an die goldenen DDR-Zeiten mit den Aluminium-Kannen. Doch auch der begeisterte junge  Naturfreund wird längerfristig keine Tätigkeit ausüben, die ihn sowohl räumlich wie auch zeitlich sehr stark bindet. Das zeigt sich besonders deutlich hier in Ostbrandenburg mit seiner schwachen Wirtschaftsstruktur. Während der Ausbildungszeit weiß kaum jemand, wohin ihn das Schicksal einmal verschlagen wird. Aber auch der Idealist mit fester Bleibe steht vor der Frage, ob seine Liebe zu den Bienen so weit reicht, dass er auf Jahre hinaus in den arbeitsintensiven Monaten des Jahres von April bis August auf einen längeren Urlaub verzichten will. Und wenn ja, ob auch sein Lebensgefährte dazu bereit ist.

Fazit Nr. 7: Unsere konsum- und freizeitorientierte Lebensweise verträgt sich nicht mit den Erfordernissen der Imkerei.


Die Imker-Organisationen verwenden viel Geld auf die Werbung neuer Mitglieder, gehen jedoch überwiegend an der eigentlichen Problematik vorbei oder verschweigen sie bewusst. Bisher jedenfalls zeigt ihr Aufwand keinen sichtbaren Erfolg. Erinnern Sie sich noch an die Propagierung der so genannten „Ich-AGs“ vor einigen Jahren? War auch ein unrealistischer Flop. Gelegentlich entsteht sogar der Eindruck, dass, wie in vielen anderen Bereichen auch, die Verantwortlichen tatsächlich nur in die eigene Tasche wirtschaften durch gut bezahlte, doch sinnlose Vorträge, Schulungen und Werbeveranstaltungen. Nützlich daran ist allenfalls, dass hierdurch der weiteren Entfremdung des modernen Menschen von der Natur begegnet wird. Bei der zu beobachtenden Entwicklung werden die Vereine und die in ihnen organisierten Imker mittel- bis langfristig das Schicksal der Kaninchen- und Geflügelzüchter teilen.

Fazit Nr. 8: Die Kleinimkerei wird auch in Zukunft unaufhaltsam weiter zurückgehen.


Zukunftsträchtig durch Bestäubungsprämien sowie den Verkauf von Bienen und Bienenprodukten bleibt allein die gewinnorientierte mittlere bis große Imkerei. Wie man deutlich erkennt, behauptet sie sich gegenwärtig, wenn auch nur als Nebenerwerb oder im Verbund mit anderen Aktivitäten. Als mögliche Abhilfe gegen den weiteren Niedergang und zum Nutzen sowohl der Imker als auch der Natur könnte man in Anlehnung an die früheren LPGen die Zusammenfassung mehrerer Kleinimker zu schlagkräftigen Kooperativen ins Auge fassen. In solchen „IPGen, Imkerlichen Produktionsgenossenschaften“,  wäre auch der überwachte Einsatz von Fördermitteln sinnvoll. Doch dürfen wir dabei nicht vergessen, dass die früheren LPGen, auch wenn sie heute als Agrargenossenschaften äußerst erfolgreich weiter fortbestehen, seinerzeit nur durch massiven Druck „von oben“ entstanden sind. In unserer Zeit ist  ein Zusammenschluss der überwiegend überalterten Vereinsimker, die häufig noch mit vorsintflutlichen Methoden arbeiten, die eine lächerliche Eigenbrötelei, verbunden mit Geheimniskrämerei, betreiben und sich gegenseitig die Luft neiden, nicht zu erwarten. Vielleicht, dass einmal jüngere, aufgeschlossene Interessenten gemeinsam Verantwortung übernehmen und sich, wie man es häufig bei Handwerkern sieht, zu einer Gesellschaft des Bürgerlichen Rechts (GbR) zusammenschließen. Ältere, erfahrene Imkerkollegen könnten dabei wertvolle Kaderarbeit leisten. Doch käme so etwas einer Revolution gleich und würde insbesondere vielen wichtig tuenden Vereinsmeiern den Boden unter den Füßen wegziehen.

Fazit Nr. 9: Auf der Grundlage der bestehenden Verhältnisse wird es in absehbarer Zeit keine Änderung zum Besseren geben.

Fazit Nr. 10: Trotzdem bilden Investitionen in eine wirtschaftlich geführte Imkerei eine zukunftssichere und gewinnbringende Kapitalanlage.

Die letztgenannte Feststellung bedarf jedoch der Einschränkung in Form eines in Klammern gehaltenen Fragezeichens. Es bezieht sich auf die hohen und jährlich ansteigenden Bienenverluste vor allem im letzten Jahrzehnt, für die man trotz aller klugen wissenschaftlichen Theorien bisher keine plausible Erklärung gefunden hat. Sind es Parasiten, Viren, Monokulturen, der Klimawechsel, Vergiftungen, Pilzerkrankungen, einzeln oder in Zusammenwirken? Am schlimmsten betroffen war, wie bereits erwähnt, vor einigen Jahren die Bienenhaltung in Amerika. Das gibt zu denken, wird doch gerade dort die Biene zum Zwecke einer hohen Wirtschaftlichkeit in ihrer natürlichen Lebensweise am stärksten vergewaltigt. Auch bei uns bemüht man sich seit Jahrzehnten um die Zucht einer Biene mit Eigenschaften, die den menschlichen Bedürfnissen am ehesten entsprechen. Dazu zählen in erster Linie Sanftheit und Schwarmträgheit, genau das, was die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Einflüssen der Natur ganz allgemein herabsetzt. Wir beobachten solche Zucht“erfolge“ bei allen unseren Haustieren und vor allem bei uns Menschen selbst. Schon die körperlichen und psychischen Anforderungen, die das Leben an die jetzt aussterbende Generation der Großeltern stellte, könnte unser heutiger Nachwuchs auch nicht annähernd erfüllen. Praktisch alle Haustiere würden heute ohne die Fürsorge des Menschen in der Natur nicht überleben. Sollte die domestizierte Biene da eine Ausnahme machen? Sie ist kein Haustier, sie kann nicht vom Menschen in seinen geschützten Lebensbereich integriert werden.

Meine biologische Kompetenz reicht nicht aus für eine schlüssige Antwort. Was mir zu denken gibt, sind wieder einmal meine eigenen Bienenverluste im letzten Herbst und Winter, und zwar gerade bei den Völkern mit den wertvollsten Zuchtköniginnen. Der schlimmste Stecher hat auch am besten überwintert. Das vieldeutig drohende Wolkenbild fand ich unter der Bezeichnung „Rache der Natur“ ohne Nennung des Autors im Internet“.

Fazit Nr. 11: Die Zukunft der Imkerei als solche steht jedenfalls mittelfristig vor einem großen Fragezeichen.

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