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Bilanz am Ostbrandenburger Ausbildungsmarkt

Datum: 29.10.2020
Rubrik: Nachrichten

Trotz schwieriger Bedingungen weniger unbesetzte Ausbildungsplätze / Berufswünsche passen nicht immer zum Lehrstellenangebot

Auch unter den schwierigen Bedingungen des Jahres 2020 haben die Ostbrandenburger Ausbildungsbetriebe und Lehrstellenbewerber letztlich weitgehend zueinandergefunden. Nicht immer jedoch passen die Berufswünsche der Jugendlichen zum regionalen Ausbildungsplatz-Angebot.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz ordneten die Arbeitsagentur Frankfurt (Oder), die Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer am Donnerstag die Zahlen ein.

Die Zahl der bei der Arbeitsagentur gemeldeten Ausbildungsstellen in Ostbrandenburg ging im statistischen Jahr zwischen Oktober 2019 und September 2020 leicht zurück. In Frankfurt (Oder), Märkisch-Oderland sowie im Landkreis Oder-Spree meldeten Arbeitgeber aus der regionalen Wirtschaft und Verwaltung insgesamt 1.986 betriebliche Lehrstellen – 158 weniger als im Jahr zuvor. Unbesetzt blieben zum Stichtag 30. September 141 betriebliche und außerbetriebliche Ausbildungsplätze. Das sind 52 weniger als im Vorjahr.

Demgegenüber haben 2.462 Jugendliche – 207 weniger als im Vorjahr - aus diesem und älteren Abschlussjahren die Hilfe der Berufsberatung bei der Lehrstellensuche in Anspruch genommen. Bis auf 127 von ihnen – 62 mehr gegenüber dem Vorjahr - waren zum 30. September alle versorgt, das heißt sie hatten eine Lehrstelle, eine schulische oder eine sonstige Alternative gefunden.

Die meisten unbesetzt gebliebenen Ausbildungsplätze gab es zum 30. September in den Berufen Kaufmann/-frau im Einzelhandel (9), Zahnmedizinische Fachangestellte (8) und Industriemechaniker/in (7).

Jochem Freyer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Frankfurt (Oder): „Dieses Jahr waren die Rahmenbedingungen äußerst schwierig, weil Ausbildungsmessen nicht stattfanden, kaum Sprechstunden der Berufsberatung in den Schulen möglich waren und viele Jugendliche zeitweise regelrecht abgetaucht sind. Erfreulich ist, dass die Ostbrandenburger Betriebe trotz der wirtschaftlich teilweise bedrohlichen Lage an ihrer Ausbildungsbereitschaft festhielten und nur wenige Lehrstellen storniert haben. Letztlich ist es den Betrieben, Kammern, Schulen und uns noch gemeinsam gelungen, einen verlorenen „Corona-Jahrgang“ zu verhindern.

In der Praxis decken sich die Berufswünsche nicht immer mit dem regionalen Lehrstellen-Angebot. Mit dem Ergebnis, dass Ausbildungsplätze unbesetzt und gleichzeitig junge Menschen in der Warteschleife stecken bleiben. Zu viele drängen blind nach dem Abitur und zum Studium, ohne auf persönliche Stärken und Interessen zu schauen. Das schafft Frustration und endet oft mit Abbrüchen. Auch die seit Jahren hohe Konzentration auf wenige, medial präsente Ausbildungsberufe lässt Potentiale ungenutzt. Ich rate allen Jugendlichen, möglichst früh herauszufinden, welcher Beruf zu ihren Interessen und Stärken passt. Unser Online-Test Check-U, Praktika in den Schulferien und persönliche Gespräche mit der Berufsberatung helfen dabei.

Für die Betriebe wird es in den kommenden Jahren nicht einfacher werden, Nachwuchskräfte zu finden. Hilfreich ist eine adäquate Ausbildungsvergütung, aber auch die Bereitschaft, Jugendlichen mit Handicap oder jungen Geflüchteten eine Chance zu geben. Wir unterstützen beispielsweise mit geförderten Langzeitpraktika oder ausbildungsbegleitenden Hilfen.“

Michael Völker, Leiter Geschäftsbereich Aus- und Weiterbildung der IHK Ostbrandenburg: „Die duale Berufsausbildung bleibt für die IHK-Ausbildungsunternehmen auch in der Corona-Krise ein wichtiges Element der Fachkräftesicherung. Das zeigt sich nicht nur an dem unbedingten Willen, laufende Ausbildungsverhältnisse sicher fortzuführen, sondern auch an dem ungebrochenen hohen Angebot attraktiver Ausbildungsplätze in nahezu allen Branchen. Für die Gewinnung zukünftiger Azubis ist es wichtig, jetzt genügend Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen. Praktika ist der wichtigste Baustein der beruflichen Orientierung. Authentische Einblicke in Betriebe sind für Schüler eine große Entscheidungshilfe."

Michaela Schmidt, Abteilungsleiterin Berufsbildung bei der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg: „Das Handwerk mit seinen attraktiven Ausbildungsplätzen bietet einen sicheren Start in das Berufsleben und hält für die jungen Menschen immer einen Platz bereit. Gerade jetzt, in einer durch die Corona-Pandemie krisengeprägten Zeit, hat sich das Handwerk als sicher erwiesen. Unsere letzte Konjunkturanalyse hat gezeigt, dass noch viele Handwerkbetriebe gefüllte Auftragsbücher vorweisen können. Gerade dadurch konnte es gelingen, dass die Zahlen der neu abgeschlossenen Lehrverträge im Handwerk in Ostbrandenburg für das Schuljahr 20/21 ein leichtes Plus in Höhe von 1,2 Prozent aufweisen. Bereits heute haben unsere Handwerksbetriebe freie Lehrstellen für das nächste Ausbildungsjahr gemeldet. Dass das Handwerk stabil ist, zeigt auch die Zahl der wegen Corona aufgelösten Lehrverträge - kein einziger Vertrag wurde wegen des Lockdowns aufgelöst.“

 

Foto: pixabay

 

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