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Neue Sonderausstellung im Kleist-Museum Frankfurt (Oder)

Datum: 15.10.2020
Rubrik: Veranstaltungen

„Das deutscheste Drama. Kleists ‚Herrmannsschlacht‘ und der Zeitgeist“ 

Was passiert mit einem Theaterstück, wenn es unter einem neuen Zeitgeist auf die Bühne gebracht wird? Die neue Sonderausstellung am Kleist-Museum präsentiert die wechselvolle Rezeptionsgeschichte der „Herrmannsschlacht“ im deutschsprachigen Theater von 1860 bis 2019. Anhand von Bühnenskizzen, Kostümentwürfen, Programmheften, Fotografien und Theaterkritiken gibt sie einen Einblick in über 150 Jahre Herrmannsschlacht-Inszenierungen. 

„Die Herrmannsschlacht“ ist Kleists umstrittenstes Drama: Er verfasste sie im Jahre 1808 und hatte den Text „einzig und allein auf diesen Augenblick berechnet“ – so schrieb er am 20. April 1809 an Heinrich Joseph von Collin. Die Uraufführung fand jedoch erst lange nach seinem Tod, am 18.Oktober 1860, statt. Seit diesem Zeitpunkt durchlief das Stück eine wechselvolle Wirkungsgeschichte, die bis in unsere Gegenwart reicht. Grund dafür ist vor allem der Gegensatz zwischen Kleists Stoffwahl, der Hermanns- bzw. Varusschlacht im Jahre 9 n. Chr., und seiner eigenen, komplexen Ausgestaltung dieses Stoffes in seinem Drama. Der Mythos um diese Schlacht diente seit seiner Erfindung im 15. Jahrhundert der Konstruktion einer deutschen Nation. Deshalb wurde Kleists Drama nach anfänglicher Wirkungslosigkeit ab 1875 in den Kanon der nationalen Literatur aufgenommen und erlebte in den 1920er- und 1930er-Jahren eine enorme nationalistische und faschistische Vereinnahmung. Hierauf folgte bis in die 1980er-Jahre eine Zeit relativen Verschweigens. Dann aber begannen unterschiedlichste neue Wiederaneignungsversuche unter anderen Vorzeichen. Und gerade die Theaterrezeption der letzten Jahrzehnte zeigt, dass „Die Herrmannsschlacht“ auch unter dem heutigen Zeitgeist aktuell ist. Entfernt vom deutschen Gründungsmythos richten aktuelle Inszenierungen den Blick auf andere, umfassendere Aspekte des Kleist‘schen Dramas: auf die Manipulationskunst Herrmanns, die gnadenlose Vermengung von Privatsphäre und Politik sowie auf die Unmöglichkeit, etwas Eigenes zu schaffen, ohne Fremdes auszuschließen. 

Die aktuellsten Herrmannsschlacht-Inszenierungen aber entstehen in der Ausstellung: Mit Hilfe von Bühnenbildern und Requisiten können die Besucherinnen und Besucher ihre ganz eigene „Herrmannsschlacht“ auf die Bühne bringen. 

Foto: 

Außerdem beschäftigt sich die neue Sonderausstellung des Kleist-Museums am Beispiel des umstrittenen Kleist-Stückes mit bis heute brisanten Themen wie Nationalismus, Propaganda und Missbrauch von Literatur. Um eine Diskussion dieser Fragen anzustoßen, begleitet eine gemeinsam mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung durchgeführte Veranstaltungsreihe die Ausstellung: Jürgen Kaube, Mitherausgeber der F.A.Z., spricht mit Gästen aus Politik, Theater und Wissenschaft über die Aktualität der Kleist’schen „Herrmannsschlacht“. 

BEGLEITPROGRAMM: 

Führung mit der Kuratorin Dr. Barbara Gribnitz durch die Sonderausstellung Donnerstag, 22. Oktober 2020, 18 Uhr
Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro 

Kaube trifft (II)
Mittwoch, 11. November 2020, 15.30 Uhr (Online-Gespräch)

In der ersten Gesprächsrunde diskutierten Jürgen Kaube (F.A.Z), die Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken, der Journalist Jens Bisky und der Theaterregisseur Dušan David Pařízek über die verblüffende Aktualität des Kleist’schen Stückes.
In der zweiten Gesprächsrunde trifft Jürgen Kaube nun die Linguistin Constanze Spieß (Universität Marburg) und den Rhetoriker Olaf Kramer (Universität Tübingen). Ausgehend von Kleists Darstellung sprachlicher Manipulation in der „Herrmannsschlacht“ diskutieren sie die vielfältigen Beziehungen zwischen Sprache, Propaganda, Populismus und Gewalt. 

Kaube trifft (III)
Mittwoch, 9. Dezember 2020, 15.30 Uhr (Online-Gespräch)

In der dritten Gesprächsrunde diskutieren Jürgen Kaube und seine Gästen anhand der Rezeption der Kleist‘schen „Herrmannsschlacht“ Fragen nach Nation und Nationalismus. 

Kaube trifft (IV)
Sonntag, 17. Januar 2021, 11 Uhr, Kleist-Museum

Zur Finissage der Ausstellung unterhält sich Jürgen Kaube mit seinem Kollegen Simon Strauß über die schillernde Textsorte Theaterkritik. Eine Lesung aus kurzweiligen Kritiken mehrerer Herrmannsschlacht-Inszenierungen umrahmt das Gespräch. 

Alle Gespräche finden digital statt. Bitte melden Sie sich per Mail (info@kleist-museum.de) an, Sie erhalten dann einen Zugangscode.
Im Anschluss sind alle Veranstaltungen als Video auf unserer Website unter
https://www.kleist- museum.de verfügbar. 

In Medienpartnerschaft mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 

Kuratorin: Dr. Barbara Gribnitz Gestaltung: Panatom Corporate Communication Fotos: Tobias Tanzyna

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