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So aktuell wie nie: Regionale Landwirtschaft, gesunde Ernährung und gelingende Vermarktung

Datum: 16.09.2020
Rubrik: Nachrichten

Axel Vogel und Margit Gottstein bei Höfen und Direktvermarktern Brandenburg

Schon seit längerem wachsen die Absatzzahlen für Bio-Produkte und auch die Nachfrage nach regional erzeugten Lebensmitteln. Das Wegbrechen von Lieferketten in diesem Frühjahr während des coronabedingten Lockdowns hat zusätzlich noch einmal gezeigt, wie wichtig kurze, regionale Wege bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln sind. Brandenburgs Landwirtschaftsminister Axel Vogel hat sich heute gemeinsam mit der Berliner Verbraucherschutzstaatssekretärin Margit Gottstein und Verbandsvertretern über Strategien und Chancen kleiner regionaler Anbieter informiert, um ihre Produkte unter anderem im Lebensmittelhandel der Hauptstadtregion zu platzieren.

Die höhere Wertschätzung für regionale Agrarerzeugnisse erhöht jedoch nicht automatisch und dauerhaft den Marktanteil heimischer Produkte in Berlin und Brandenburg.

Brandenburgs Landwirtschaftsminister Axel Vogel: „Erste Voraussetzung für mehr Agrarprodukte aus Brandenburg in den Regalen sind vermarktungsfähige Produkte, die der Handel sowie Verbraucherinnen und Verbraucher nachfragen. Hier brauchen wir uns in Brandenburg nicht zu verstecken. Auch heute sehen wir bei den vier Direktvermarktern in Teltow-Fläming und Spreewald, wie man qualitativ gute Produkte und innovative Ideen verkaufen kann. Dennoch ist die Vermarktung, wie die vergangenen drei Jahrzehnte zeigen, kein Selbstläufer. Wir brauchen ein Bündnis mit den kritischen und mündigen Konsumenten, die wissen wollen, wo und wie die Lebensmittel, die bei ihnen auf den Tisch kommen, hergestellt werden. Nur so kann es gelingen, auf dem hart umkämpften deutschen Markt Brandenburger Lebensmittel dauerhaft zu platzieren.“

Berlins Staatssekretärin für Verbraucherschutz und Landwirtschaft, Margit Gottstein: „Berlin hat im letzten Jahr eine Ernährungsstrategie erstellt, um die Ernährungswende in der Stadt voranzutreiben. Ziel ist es, mehr biologische, saisonale und regionale Lebensmittel auf die Teller der Verbraucherinnen und Verbraucher zu bringen. Unsere Strategie wirkt sich unmittelbar auf die Landwirtschaft in unserer Region aus, denn Berlin bildet einen großen Absatzmarkt für in Brandenburg produzierte Lebensmittel. Die Nachfrage gerade nach Bio-Lebensmitteln aus der Region ist in Berlin sehr hoch. Kernstück der Berliner Ernährungsstrategie ist die Kantine Zukunft. Das Projekt unterstützt Küchenbetreiber der Stadt dabei, regionales Bio-Essen in Schulen, Kitas und anderen Kantinen anzubieten. Berlin und Brandenburg können in den nächsten Jahren eine ideale Symbiose bilden, wenn es darum geht, nachhaltige Ernährung und regionale Landwirtschaft voranzubringen.“

Die Bündelung der Angebote vieler kleiner Lebensmittelproduzenten in regionalen Wertschöpfungsketten ist ein, auch im Koalitionsvertrag verankerter, Schwerpunkt des Brandenburger Agrarumweltministeriums. Über die Richtlinie zur Förderung der Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte für Verarbeiter und die Richtlinie für Einzelbetriebliche Investitionsförderung für Landwirte und speziell auch Gärtner stehen Instrumente zur Verfügung, um Investitionen in regionale Lebensmittelherstellung zu fördern.

Gerade die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft, deren Anteil in Brandenburg bis 2024 auf 20 Prozent ausgeweitet werden soll, kann weitere Märkte erschließen und die regionalen Wertschöpfungsketten stärken. Noch in diesem Jahr beginnt das Agrarumweltministeriums, den Öko-Aktionsplan für Brandenburg zu erarbeiten. Dabei werden Vertreter des landwirtschaftlichen Berufstands, aus dem Bereich des Wissenstransfers und der Gemeinschaftsverpflegung, aus der Ernährungswirtschaft, den Kommunen, und der Verwaltung, Junglandwirtinnen und -wirte, sowie Interessensvertretungen der Verbraucherinnen und Verbraucher beteiligt.

An einem von der Koalition geplanten zertifizierten Regionallabel sollen Verbraucherinnen und Verbraucher Produkte aus Brandenburg erkennen und Regionalprodukte bei Ausschreibungen besonders berücksichtigt werden können. Das nicht verpflichtende Siegel soll bestehende regionale Siegel integrieren.

Hintergrundinformationen:

Nach einer Studie des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK haben 44 Prozent aller Teilnehmer in den Monaten des Lockdowns ihr Kaufverhalten bewusster auf regionale Lebensmittel ausgerichtet. Dass dies keine Momentaufnahme ist, zeigen auch Studien aus den Vorjahren: Die Corona-Krise hat nicht nur das Essverhalten vieler Menschen beeinflusst, sondern auch die Sicht auf die deutsche Landwirtschaft und damit die regionale Erzeugung verändert (BMEL Ernährungsreport 2020). Demnach gaben 39 Prozent der Befragten an, dass die Landwirtschaft für sie in der Corona-Krise an Bedeutung gewonnen hat. Für 83 Prozent ist es (sehr) wichtig, dass ein Lebensmittel aus der Region kommt.

Mit seinen rund 3,4 Millionen Einwohnern zählt Berlin zu den größten Absatzmärkten Europas. Zusammen mit dem Land Brandenburg erweitert sich der regionale Absatzmarkt auf rund 6 Millionen Konsumenten in gut 3 Millionen Haushalten.

Mit der direkten räumlichen Nähe zum Absatzmarkt Berlin verfügen die Brandenburger Unternehmen der Ernährungsbranche über ein erhebliches Marktpotenzial.

22 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe Brandenburg nutzen laut der Agrarstrukturerhebung 2016 Einkommenskombinationen als Instrument zur Einkommenssicherung. Vier Prozent der Unternehmen sind im Bereich der Direktvermarktung tätig. Laut Ernährungsreport 2018 kaufen 9 Prozent der Verbraucher ihre Lebensmittel auf dem Wochenmarkt und 7 Prozent im Hofladen. Der Verband pro agro hat in seiner Hofladen-Broschüre über 500 Angebote zusammengestellt.

Die Stärkung regionaler Kreisläufe in der Agrar- und Ernährungswirtschaft hilft auch, die Folgen des Klimawandels zu bewältigen, und hat auch Effekte für die Biodiversität. Kleine und mittelständische Unternehmen engagieren sich für den Erhalt regionaler Sorten in der Landwirtschaft oder im Gartenbau. Alte, vom Aussterben bedrohte Haustierrassen werden von kleinen Anbietern, zum Beispiel in Archehöfen, gezüchtet und vermarktet. Regionale Spezialitäten beziehungsweise regionale Rezepturen sorgen auch für Vielfalt beim Lebensmittelangebot.

Die Landesregierung sieht in der Unterstützung regionaler Produkte und der Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe gerade auch in ländlich geprägten Regionen des Landes Potenzial für Brandenburger Unternehmen der Land- und Ernährungswirtschaft, die Wertschöpfung im Land zu erhöhen. Dazu zählt unter anderem auch die Unterstützung von Messen und Produktpräsentationen, beispielsweise bei der Internationalen Grünen Woche in Berlin, die 2021 in der gewohnten Form ausfüllen muss. Die Unterstützung für Direktvermarkter bleibt aber ein Schwerpunkt in Brandenburg.

 

Foto: pixabay

 

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