Nachrichten

Ruppert meint...Nr. 23 Nicht für die Schule...

Datum: 08.01.2014
Rubrik: Kolumne

Ruppert meint...Nr. 23 Nicht für die Schule...

„Also lautet ein Beschluss,

Dass der Mensch was lernen muss.

Nicht allein das ABC

Bringt den Menschen in die Höh,

Nicht allein im Schreiben, Lesen

Übt sich ein vernünftig Wesen;

Nicht allein in Rechnungssachen

Soll der Mensch sich Mühe machen,

Sondern auch der Weisheit Lehren

Muss man mit Vergnügen hören."

(Wilhelm Busch)

 

Stimmt. „Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir". Spätestens nach der Schulzeit stellen wir fest, dass vieles von dem, was man in endlos scheinenden Jahren mühsam und oft widerwillig gepaukt hat, Grundlage und Voraussetzung bildet für die weitere Entwicklung der eigenen Person, fachlich wie auch charakterlich. Das Zusammenwirken von Schule, Elterhaus und Umwelt gibt dem jungen Menschen Gelegenheit, sich selbst nach allen Richtungen hin auszuprobieren. Dabei die uns allen vorgegebenen Grenzen erkennen und achten zu lernen ist ein wesentlicher Bestandteil der Erziehung. Schließlich gelangt man zur Anerkennung von zwei weiteren Lebensweisheiten, nämlich „Wissen ist Macht" und „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr".

Unter dem allseits beklagten „Bildungsmangel" junger Menschen versteht der Lehrherr die unzulänglichen Schulkenntnisse des Bewerbers, die alte Dame regt sich auf über den Flegel, der ihr in der Straßenbahn kaltschnäuzig den Sitzplatz wegnimmt. Das Zusammenwirken von positivem Wissen einerseits und charakterlich begründetem gesellschaftskonformem Verhalten andererseits ergibt schließlich die „Bildung" eines Menschen.   Es ist das, was Wilhelm Busch mit „der Weisheit Lehren" meint.

Vieles von dem, was seit Jahrhunderten, ja seit Jahrtausenden als Dogma galt, wird seit einigen Jahrzehnten zunehmend in Frage gestellt. Das gilt, um nur einige Beispiele zu nennen, im Verhältnis von Mann und Frau („Herr und Dame"), im Berufsleben („Vorgesetzter" und „Untergebener"), es betrifft die Achtung, die ein „Jüngerer" dem „Älteren" allein auf Grund des Altersunterschieds zu zollen hat, es umfasst die bis zur gesellschaftlichen Akzeptanz reichende Duldung von bisher als unmoralisch verpönten Lebensweisen usw. In ihrer Wertschätzung  nachhaltig verändert haben sich  vormals geheiligte Begriffe wie Anstand, Wahrheit, Charakter, Ehre, Treue, Liebe (z.B. zum Nächsten oder zum Vaterland), Tapferkeit, Glaube, Bescheidenheit, Selbstlosigkeit, Opferbereitschaft und vieles Andere mehr. Es sind Begriffe, die man bei den im Rampenlicht des Geschehens stehenden und der Jugend als Vorbilder dienenden Gestalten wie Politikern, Fernseh-, Pop- und Sportgrößen, sogar bei Erziehern vermisst, Eigenschaften, die als antiquiert dargestellt, lächerlich gemacht und ad absurdum geführt werden. Die mit dem Verfall einer ganzen Kultur verbundene Dekadenz einer Epoche ist nicht neu.  „O tempora, o mores!" - „Welche Zeiten, welche Sitten!" klagte schon vor zweitausend Jahren der Römer Cicero. Doch diesen weitgehend verloren gegangenen moralischen Werten soll hier nicht nachgetrauert werden. Folgen wir nicht dem Beispiel schwafelnder Soziologen, ziehen wir vielmehr eine Bilanz dessen, was die Gegenwart ausmacht. Im Folgenden soll kritisch hinterfragt werden, inwieweit die von uns allen finanzierten Einrichtungen, also in erster Linie die Schulen, ihren Bildungsauftrag erfüllen.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten müssen sich heute schon die Erzieherinnen im Kindergarten mit einer Vielzahl nicht kommunikationsfähiger Kinder befassen, sei es, dass ihr Intellekt nicht altersgemäß entwickelt ist, sei es auf Grund von Sprachschwierigkeiten schlechthin. Noch so intensives Fernsehen (das ist ironisch gemeint!) ersetzt nicht die gezielte Sprachkultur durch die Eltern. Wenn ein Kind zu Hause nur vor der Glotze sitzt, wenn es in der Familie nur Arabisch oder Türkisch spricht, erreicht es das schulpflichtige Alter, ohne sich in der nun einmal herrschenden Landessprache ausdrücken zu können. Kompetente Sachkenner wie Sarrazin oder Buschkowski nehmen kein Blatt vor den Mund, sie zeigen die Problematik schonungslos auf. Die eigentlich betroffenen Erzieher schweigen lautstark aus Angst um ihre Arbeitsstelle. Die verantwortlichen Politiker drücken sich vor der Problematik, so lange es geht. Notfalls bieten sie kostspielige Scheinlösungen an wie Psychologen, Sozialarbeiter, Geld für mehr Kitaplätze usw. Ihr Werkeln bezieht sich auf die Symptome, nicht die Ursachen der Misere. Bezeichnend sind die gegenwärtigen Luftgefechte um das Erziehungsgeld, abqualifiziert als „Herdprämie". Ob es nun gezahlt wird oder nicht, es führt uns nicht einen einzigen Schritt weiter zur eigentlichen Problemlösung.

Niemand kann ernsthaft bestreiten, aber heute wissen es nur noch Wenige, dass unser deutsches Schulwesen bis vor wenigen Jahrzehnten eines der besten, wenn nicht gar das beste der Welt war. Im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Ländern, die nur eine Unterrichtspflicht oder Bildungspflicht kennen, besteht in Deutschland schon seit langem eine allgemeine Schulpflicht. Das ist die gesetzliche Verpflichtung für alle Kinder von und bis zu einem bestimmten Lebensalter (im Allgemeinen von 6 bis 16 Jahren), eine vom Staat anerkannte Schule zu besuchen. Wegbereiter für den ganzen deutschen Raum waren im 18. Jahrhundert die Preußenkönige. Ich wage zu behaupten, dass die sich auch in der Zahl der Nobelpreise ausdrückenden Leistungen deutschen Geistes ganz wesentlich auf der konsequenten Durchführung des staatlichen Bildungsinteresses mit seiner Breitenwirkung sowie auf der fachlichen Qualität der geschaffenen Einrichtungen beruhen. Wie diese allgemeine Schulpflicht in unserer neudeutschen Multi-Kulti-Gesellschaft befolgt und wie sie von den staatlichen Autoritäten durchgesetzt wird, kann man bei den bereits genannten Autoren Sarrazin und Buschkowski sowie in „Hexenjagd" von Ursula Sarrazin nachlesen. Diese kritischen und unbequemen Zeitzeugnisse aus der Hand von wirklichen Sachkennern werden von den politischen Versagern ebenso vehement wie unqualifiziert angegriffen, man versucht zu relativieren, kann aber die dort getroffenen Feststellungen nicht widerlegen.

Zur Einstimmung auf den Kern und zur Illustration unseres Themas hier der Auszug aus einem Gerichtsurteil als negatives Beispiel für die Durchführung des Bildungsauftrags. Wie man gelegentlich erfährt, geht es anderswo schlimmer zu.


Mit der wissenschaftlichen Ausbildung des Angeklagten war bis Januar 1998 die Gesamtschule 4 in Eisenhüttenstadt befasst. Der ihm dort erteilte Unterricht konnte den Angeklagten jedoch nicht befriedigen. In den letzten Jahren besuchte er daher die Schule nur noch unregelmäßig, wurde aber mit einer Ausnahme immer versetzt. Die grundsätzlich negative Auffassung des Angeklagten von der Schule wurde, wie der Angeklagte glaubhaft schilderte, jeweils von einem Viertel der Klassenkameraden geteilt, die sich in Abstinenz übten. Von 28 nominellen Schülern erschienen täglich maximal 20. Von diesen wiederum informierten sich die meisten während des Unterrichts über wichtige Tagesereignisse und ließen sich dabei durch den Lehrkörper nicht stören. Man hörte einfach nicht zu. Öfters kam es zum Rauswurf einiger Schüler, die sich dann auf dem Flur ungestört unterhalten konnten. Nichtsdestotrotz versuchten die Pädagogen verzweifelt und erfolglos, ihrem Lehrauftrag nachzukommen und u.a. Leistungsarbeiten schreiben zu lassen.

Im Deutschunterricht malten der Angeklagte und einige Gleichgesinnte Fratzen und garnierten ihre Arbeiten mit witzigen Sprüchen. Diese Arbeiten wurden zensiert und erhielten, da man sie nicht nach ihrem künstlerischen, sondern literarischen Gehalt bewertete, zumeist die Note 6  Auch Diktate gab es im Unterricht, die aber der Lehrer im allgemeinen gar nicht lesen konnte. Im Mathematikunterricht hat der Angeklagte immerhin zählen gelernt. Mit dem Multiplizieren, z.B. 6 x 7, „geht es nicht so gut". Dass die Lehrer der Gesamtschule 4 bei ihren Schülern keine große Resonanz haben, geht auch aus den Ausführungen der 13jährigen Zeugin Cornelia ... hervor, die in der Erkenntnis gipfeln, „das Geschwätz der Lehrer könne man nicht anhören".

Bei dem Angeklagten reifte schließlich die Erkenntnis heran, dass die Schule für ihn reine Zeitverschwendung sei. Konsequenterweise ging er nun überhaupt nicht mehr hin. Die Lehrer versuchten zwar, den Angeklagten zu überzeugen, dass Wissen Macht sei, drangen aber damit nicht durch. Der Angeklagte verstand „Macht" mehr im Sinne körperlicher Überlegenheit...".

Weitere Beispiele erlebter schulischer Realität enthält mein noch in wenigen Exemplaren erhältliches Buch „Blühende Landschaften I und II" („Stadtshop" Saarlouiser Straße 17). Es ist meines Wissens auch in der Stadtbibliothek auszuleihen.

Unser traditionelles deutsches Schulwesen zeichnete sich vor allen anderen aus durch die bereits erwähnte frühzeitige und lückenlos überwachte allgemeine Schulpflicht sowie seine Breitenwirkung auf die gesamte Bevölkerung. Nach acht, später 10 Jahren Volksschule konnte sich  jeder Schüler in Wort und Schrift mühelos und im Allgemeinen fehlerfrei ausdrücken, er beherrschte die Grundrechnungsarten, Bruch- und Prozentrechnung sowie die Anwendung des Dreisatzes. Hinzu traten solide Grundkenntnisse der deutschen Literatur, Erdkunde, Geschichte und Biologie. Diskutiert und Meinungen gebildet wurden nur dann, wenn das erforderliche Grundwissen vorhanden (= angelernt) war, im Allgemeinen ab dem 15. Lebensjahr.

Nach dem 4. Schuljahr fand (und findet teilweise auch heute noch) die erste Auslese zum Besuch einer Höheren oder einer Mittel (Real-) Schule statt. Es ist eine allgemeingültige Erfahrung, dass ein Junge im Alter von 10 bis 14 Jahren die größte Lernfähigkeit im Sinne von Aufnahmekapazität besitzt, so etwa beim Auswendiglernen oder bei der Aneignung von Vokabeln. Bei Mädchen mögen die Altersgrenzen anders liegen. Ich selbst habe nie eine gemischte Schule besucht, könnte mir aber vorstellen, dass Mädchen den Jungen in der Entwicklung voraus sind und dadurch frühzeitig im Verhältnis bessere Leistungen aufweisen. Die Begabtenauslese nach dem vierten Grundschuljahr ist somit nur logisch, was keine Benachteiligung der Übrigen enthält..

Das Gymnasium besuchten bis Anfang der fünfziger Jahre etwa 5 % der Schüler mit dem Ziel der Hochschulreife und häufig anschließendem Universitätsstudium. Nach Abschluss der „Untersekunda", der 10. Klasse, erhielt der Gymnasiast die „Mittlere Reife" und konnte, wenn er kein Studium beabsichtigte, einen praktischen Beruf erlernen. Wer von vornherein kein Hochschulstudium beabsichtigte, erlangte auf der Realschule nach einem mehr praktisch als theoretisch ausgerichteten Unterricht die Mittlere Reife ebenfalls mit Abschluss des 10. Schuljahres. Realschüler waren als Lehrlinge besonders begehrt.

Ein letztes Wort noch zum heute nicht mehr vorhandenen „Humanistischen                   (= altsprachlich-geisteswissenschaftlichen) Gymnasium". Ein Dozent der Technischen Hochschule Aachen erklärte einmal, diese Schüler seien ihm die liebsten. Sie hätten zwar geringere Kenntnisse in Naturwissenschaften, die sie ohnehin an der TH lernten, dafür aber könnten sie logisch denken.

Unser häufig kopiertes System funktionierte über 100 Jahre lang ausgezeichnet und war ausschlaggebend für die sowohl wirtschaftliche als auch wissenschaftliche Überlegenheit Deutschlands im Weltvergleich. Die damalige Politik hatte frühzeitig erkannt, dass die Götter vor den Erfolg den Schweiß gesetzt haben (Goethe). Nicht, dass andere Länder dümmere Kinder hatten. Doch deren staatliche Schulen, soweit überhaupt vorhanden, waren von deutlich geringerer Qualität, ihre Lehrer wurden vergleichsweise schlechter bezahlt und hatten ein geringes Ansehen. Seit jeher beruht in vergleichbaren Ländern wie Frankreich oder England, nicht zu reden von vielen anderen, die Qualität der Ausbildung auf privaten Einrichtungen, auf denen eine gesellschaftlich starke Elite zu beachtlichen Leistungen gebracht wird. Die französischen „Enarchen" zum Beispiel (ENA = Ecole Nationale d´Administration - Staatliche Verwaltungsschule) bilden eine kleine Elite von Verwaltungsbeamten auf höchstem Niveau, der Rest jedoch taugt nicht viel und genießt in  der Bevölkerung wenig Ansehen.

Nach diesen Feststellungen fragt man sich natürlich, warum das „Volk der Dichter und Denker" im Vergleich etwa mit China, Japan oder Finnland am oberen und Indonesien, Mexiko, Katar oder Peru am unteren Ende der PISA -Skala gerade mal einen mittleren Platz einnimmt und dabei noch stolz darauf ist, unter den blinden das einäugige zu sein.

Ursächlich hierfür ist der ideologisch begründete, dem Bürger als „Reform" verkaufte, seit Jahrzehnten  systematisch betriebene Abbau des überkommenen Schulsystems, der wiederum Hand in Hand geht mit dem allgemein zunehmendem  Zerfall der Lernkultur schlechthin. Dies betrifft vor allem die weiterführenden Schulen, wirkt sich direkt und indirekt aber auch auf die Basisschulen aus. Die unzähligen „Reformen", bei deren Mehrzahl es sich um unausgegorene Experimente handelte, haben die politisch gewünschten Erfolgszahlen erreicht. Etwa die Hälfte aller Schüler macht das Abitur.

Der durch Verwahrlosung des Schulbetriebs bedingte Niveauabfall betrifft alle Schulen gleichmäßig.

Natürlich macht eine Änderung der Gesellschaftsform auch vor dem Schulwesen nicht halt. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts haftete vor allem den Gymnasien, aber auch allen anderen über den obligatorischen Volksschulabschluss hinaus führenden Lehranstalten der Ruf an, nur einer betuchten Auswahl von Bürgern eine Erfolgschance zu bieten. Dazu bei trugen die bis in die fünfziger Jahre bestehende Schulgeldpflicht sowie das zuweilen grotesk-lächerlich wirkende elitäre Gehabe der Gymnasien und Universitäten. Der darin enthaltene Vorwurf der sozialen Ungerechtigkeit traf allerdings in dem behaupteten Maße niemals zu. Leistung hatte in Deutschland schon immer einen hohen Stellenwert und fand angemessene staatliche Förderung.

Viele Zöpfe wurden bereits in der Nazizeit abgeschnitten, so die farblich nach Schulklassen abgestimmten Mützen der Gymnasiasten, die verstaubten Gymnasialprofessoren (H. Mann: Professor Unrat), die meisten studentischen Verbindungen, die „Korporationen" (H. Mann: Der Untertan), ebenso das überflüssige 13. Schuljahr, und das alles ohne Qualitätsverlust. Nur weil die Nazis es abgeschafft hatten, wurde das 13. Jahr im Westen gleich nach dem Krieg wieder eingeführt. Heute ist die Erinnerung verblasst, es kann wieder abgeschafft werden. Eine grotesk übersteigerte, aber doch sehr anschauliche Gegenüberstellung des alten und des neuen Geistes finden wir bei Spoerls „Feuerzangenbowle" in der Konfrontation des alten Bömmel mit dem jungen Dr. Brett. Die Erzählung ist gar nicht so harmlos, wie sie erscheint, sie ist ein Zeitzeugnis.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging man in der DDR konsequent und nicht ohne Erfolg ganz andere, neue Wege.  In der Bundesrepublik hingegen führte die Entwicklung des Schulsystems erst einmal zurück in die Zeit vor 1933. Während der folgenden Jahrzehnte gelang den Sozialisten in den von ihnen regierten Bundesländern allmählich die Schaffung einer Art von „Volksabitur" dadurch, dass man einerseits das System aushöhlte und immer durchlässiger machte, andererseits die Anforderungen immer weiter senkte. Dieser Prozess ist noch keineswegs abgeschlossen. Ermöglicht wurde diese Entwicklung durch die im Grundgesetz vorgesehene Übertragung der Kulturhoheit auf die einzelnen Bundesländer, die immer mehr auseinander drifteten und je nach politischer Richtung  ihre eigenen Wege gingen. Vorreiter wurde Nordrhein-Westfalen. Schon in den fünfziger Jahren galt als politisches Ziel die Anhebung der Abiturientenzahl um jeden Preis auf vorerst einmal 25 Prozent. Das radikale Vorhaben des ultralinken Kultusministers Girgensohn, alle anderen Schultypen zugunsten einer Gesamtschule abzuschaffen, scheiterte vorzeitig an einem Volksbegehren. Immerhin hielt es das konservative Bayern in den achtziger Jahren für notwendig, Abiturienten aus Nordrhein-Westfalen und Hessen erst nach Bestehen einer Zusatzprüfung zum Hochschulstudium zuzulassen. Heute, im Jahre 2014, besteht im extremen Süd-Nord-Gefälle zwischen manchen Bundesländern ein Bildungsdefizit von bis zu zwei Schuljahren. Auf der Abiturfeier meiner Tochter erfuhr ich, man könne sich heutzutage dem Abitur nur noch durch Selbstmord entziehen.

In Gesprächen mit vernünftigen Gymnasiasten der Oberstufe erfahre ich immer wieder deren Meinung, ein gutes Viertel der Mitschüler gehöre nicht auf ein Gymnasium. Dass sie Recht haben, zeigt sich auch indirekt am desolaten Zustand der Haupt-, Real- und Gesamtschulen je nach Bundesland. Nachdem auch der letzte durchschnittlich begabte Schüler nach oben gehievt worden ist, tummelt sich in den Regelschulen der absolute Bodensatz ohne Aussicht auf eine Berufschance. Ich habe hier in Eisenhüttenstadt in der fünften Klasse(!) einen Analphabeten erlebt, dem erst im Jungendknast in Oranienburg erfolgreich die einfachsten Grundlagen von Lesen und Schreiben beigebracht wurden. Man versucht, diese Versager irgendwo zu integrieren, so dass sie nicht auffallen, oder aber ihnen eine letzte Ausbildungschance zu bieten. Etwa drei Viertel der Schüler des Oberstufenzentrums, denen eine solche Möglichkeit geboten wurde, erklärten frei heraus, sie hätten keine Wahlmöglichkeit gehabt, sie kämen nur, um durch ihre Anwesenheit Fördermittel zu kassieren. Den ihnen in Aussicht gestellten Beruf würden sie mit Sicherheit nicht ergreifen. Andererseits habe ich auf der Sonderschule, der früheren Hilfsschule, motivierte Schüler und Lehrer kennen gelernt, die einfach nicht dorthin gehörten. Diese Kinder waren nicht dumm, sondern erzieherisch vernachlässigt. Ihre früheren Lehrer waren froh gewesen, diesen Ballast los zu werden. Ich habe mehrfach an Gymnasien Rechtskundeunterricht erteilt und musste ebenso wie meine Kollegen die Sinnlosigkeit erkennen, da es an jeglichen historischen oder gesellschaftspolitischen Voraussetzungen fehlte. Weitere Erlebnisse im Schulalltag kann der interessierte Leser dem entsprechenden Abschnitt meines Buchs „Blühende Landschaften I und II" entnehmen.

Lehrer, die ich unter dem Siegel der Anonymität auf den aktuellen Stand beispielsweise von Integrationseinrichtungen oder neuerdings der „Inklusionsschule" angesprochen habe, wanden sich auf der Suche nach Ausflüchten. Wenn diese Bedauernswerten sich nicht dem gängigen Kuschelkurs anpassen oder in die Krankheit flüchten, müssen sie befürchten, aufgerieben zu werden zwischen dummen und unerzogenen Schülern, deren verständnislosen Eltern, vor allem aber den politisch-ideologisch geprägten Behörden.  Lesenswert, da aktuell und authentisch,  ist  „Hexenjagd" der Lehrerin Ursula Sarrazin.

Praktisch ist heute das Abitur an die Stelle der früheren „Mittleren Reife" oder des . qualifizierten  „Abschlusses der 10. Klasse" als Voraussetzung für eine ordentliche Lehrausbildung herabgestuft worden, wie zum Beispiel an Abiturienten gerichtete Ausbildungsangebote bei Aldi zeigen. So wird verständlich, dass ein  Jeder, der beruflich vorankommen will, unter Inkaufnahme von weiteren verlorenen Schuljahren das Abitur anstrebt. Es entspricht dem Grundsatz sozialer Gerechtigkeit, jedem jungen Menschen eine faire Chance für die Vorbereitung seiner Zukunft zu geben. Dies darf aber nicht durch Aufhebung des Leistungsprinzips geschehen, Das Endergebnis wäre vergleichbar mit der Schaffung von allgemeinem Reichtum mittels Geldvermehrung.

Den vorerst letzten Streich in diese Richtung enthält die nicht einmal neue Idee der „Inklusionsschule" (Inklusion=Einschluss). Unter der menschenfreundlich klingenden Devise „gemeinsam miteinander und voneinander lernen" verstehen Sozialromantiker die Aufnahme von Schülern mit Entwicklungsstörungen, sprachlichen Defiziten, Lernschwierigkeiten, Verhaltenddefiziten u.ä. in den normalen Klassenverband. Um trotzdem das pädagogisch gewünschte Ziel zu erreichen, sollen die benachteiligten Kinder besonders gefördert werden.

Dass diese Idee sich nur auf Kosten des Leistungsprinzips verwirklichen lässt, bedarf wohl keiner Begründung. Ebenso wenig wie der Irrtum, hierdurch ließe sich brach liegendes Leistungspotential mobilisieren. Der Liebe Gott hat nun einmal die Intelligenz nicht gleichmäßig auf alle seine Geschöpfe verteilt. Das mag ungerecht sein, lässt sich aber nicht ändern. Angestrebtes Ziel sollte in erster Linie die Förderung der Begabten sein; denn nur wenn diese leistungs- und konkurrenzfähig sind, werden sie später auch für die Benachteiligten  sorgen können. Umgekehrt geht das nicht.

Mit sehr vorsichtigen Umschreibungen wird denn auch zugegeben, dass alle bisherigen Inklusions-Experimente allein schon am Geldmangel für qualifiziertes Personal  gescheitert sind. Erfahrene Pädagogen bezweifeln, dass man unterprivilegierten Kindern mit ihrer Einbeziehung tatsächlich einen Gefallen erweist. Sie könnten auf der Sonderschule individueller gefördert werden und, wenn die Voraussetzungen geschaffen sind, auf die Regelschule wechseln. Trotzdem: Es wird unverdrossen weitergemacht.

Es ließen sich noch unzählige Beispiele von manchmal gut gemeinten, aber unausgegorenen Reformen, Reförmchen und Reformen der Reformen aufführen, allesamt dazu bestimmt, patjomkische Dörfer zu errichten und statt einer Elite den Durchschnitt an die Oberfläche zu spülen. Wenn auch nicht allein von der Schulpolitik verschuldet, so bietet doch die von ihr desinteressiert als verbindlich übernommene Rechtschreibreform ein Paradebeispiel von Misslingen. Statt nach Erkennen ihres Scheiterns zum Bewährten zurückzukehren, hat man durch weitere Reformen das angerichtete Chaos nur noch vergrößert. Leidtragende sind in erster Linie die Schüler.

Wie schon erwähnt, wird seit mehreren Jahrzehnten in der Öffentlichkeit oder in Fachgremien ebenso erbittert wie fruchtlos diskutiert über das beste Schulsystem. Im Vordergrund steht dabei nicht die von der Schule zu erbringende Leistung,  sondern die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit. Über dem Ganzen schwebt als neues Faktum drohend wie der Geist aus der Flasche das nicht einmal in Ansätzen gelöste und ständig noch wachsende Problem der Integration so genannter „bildungsferner" Schichten.  Im Klartext ist es die Verweigerungshaltung vorwiegend zugewanderter fremder Kulturen. Die Autoren Sarrazin, Buschkowski sowie die verstorbene Jugendrichterin Kerstin Heisig in „Das Ende der Geduld" sind hier wieder kompetente Zeitzeugen.

Ob ein-,zwei- oder dreigliedrig, ob Frontal- oder Gruppenunterricht, ob Halb- oder Ganztagsunterricht, letztlich versagt jedes System, hinter dem keine Leistungsbereitschaft steht. Ein einziger boshaft-renitenter Schüler kann den ganzen Betrieb lahm legen, so dass lernwillige Schüler am undisziplinierten Verhalten (Zuspätkommen, Schwätzen, Diskussionen u.ä.) einer Minderheit schließlich resignieren. Zur Illustration ein Tagebuchauszug aus „Blühende Landschaften I und II:

5.3.09

Wieder mal eine Projektwoche, wohl das letzte Mal, im Oberstufenzentrum  an der Schleuse. Lehrerin S, die das organisierte, geht dieses Jahr in den Ruhestand. Spüre, dass sie den Tag herbeisehnt.

Lehrer sind fast alle krank. Frau S, sonst ruhige Person und typische Lehrerin mit Engagement, wird immer nervöser, je näher die Stunde heranrückt. Redet darüber, wie die Klasse sein könne, welche schwierigen Elemente sich darin befinden, wie man sie beruhigen könne, hat ganz einfach Angst vor den Raubtieren.

Wir gehen zusammen zur Klasse, sie betritt als erste den Raum. Grüßt, keine Resonanz. Ich pflege sehr laut zu grüßen, kommt manchmal etwas Gemurmel. Fünf von 13 erwarteten Schülern sitzen unregelmäßig verteilt im Raum. Frau S bittet sie, mit ihren Stühlen näher zu kommen. Keine Reaktion. Sie wendet sich an einen  Jungen, der abseits in einer Ecke sitzt, doch vorzukommen. Rührt sich nicht. Sie wiederholt die Bitte. Antwort: „Ich sitze gut hier". Auch bei den anderen keine Reaktion. „Na ja, denn..." Ich beende die peinliche Situation, indem ich mich etwas zur Mitte setze, wo ich sie alle im Auge habe.

Bittet einen, doch den Anorak auszuziehen. Es sei doch warm im Raum. Antwortet, er wolle ihn anbehalten. Lehrerin beginnt Diskussion. Es sei doch im Raum üblich...  Nein, die Jacke behalte er an. Immerhin nimmt einer nach Aufforderung zögernd die Kappe ab.

Lehrerin steckt den Rahmen dahin ab, dass sie während des Unterrichts trinken, aber nicht essen könnten. Dabei Blick auf mich gerichtet, aus dem zu entnehmen ist, dass es sonst anders ist. Hat Angst, dass sie sich nicht daran halten könnten. Will vor mir nicht das Gesicht verlieren. Frage einer Schülerin, wie lange es dauere und  wann es eine Zigarettenpause gebe.

Von 13 sind 5 gekommen. Alle stumpf. Man muss schon „action" bringen, um sie zu interessieren, was aber nur beschränkt möglich ist. Nach einer halben Stunde erscheinen weitere 2 Mädchen. Lehrerin bedeutet ihnen durch Gesten, sie sollten sich setzen, wo noch Stühle frei sind. Eine Viertelstunde später kommt noch einer. Setzt sich wortlos hin.

Zeit geht vorüber. Erleichterung bei Lehrerin deutlich zu erkennen. Sie muss morgen wieder hin, braucht aber nicht so viel Angst zu haben, weil sie die Bande eben gewähren lässt. So geht die Zeit auch rum.

Es geht aber auch anders. Eine 12. Klasse OSZ Waldstraße, überwiegend Jungen. Thema Rechtsextremismus. Störungsfreie Ruhe, ungeteilte Aufmerksamkeit, vernünftige Fragen. Ich erzähle unter anderem über den Ablauf des Schulalltags in meiner Jugend, schildere das Zeremoniell zu Beginn einer jeden Unterrichtsstunde. Nach der Pause stehen alle unbeweglich und erwartungsvoll neben ihren Bänken. Auf meinen Gruß „Guten Morgen!" ein lautstarkes „Guten Morgen!" Sie bleiben stehen bis zur Anordnung „Hinsetzen!"  Auf mein Lächeln und die Frage, ob sie mir einen Gefallen tun wollten: Ja schon, aber sie hätten auch gern eine solche Ordnung.

Nur ein paar Worte zum alle drei Jahre überschwänglich begackerten PISA-Test (Programme for International Student Assessment- Programm zur internationalen Schülerbewertung). Jeder Eingeweihte weiß, dass hier Ungleiches miteinander verglichen und wie getrickst wird. Wenn man allerdings davon ausgeht, dass die meisten Teilnehmer tricksen, stimmt die Relation wieder. In den anschließenden Schwatzrunden der „Experten" werden die überragenden Erfolge der asiatischen Spitzenreiter mit einer verächtlich wegwerfenden Handbewegung abgetan: „Das beruht ja auf Drill". Stimmt wohl auch teilweise. Doch kann man damit die objektiven Leistungen wegwischen sowie die Tatsache, dass dem Tüchtigen die Zukunft gehört? Sollte es nicht möglich sein, zwischen Drill und Verwahrlosung ein gesundes Mittelmaß zu finden? Gerade wir Deutschen können uns den Verzicht auf L e i s t u n g  am allerwenigsten  l e i s t e n.

Nicht nur die genannten Sachkenner, auch jeder Richter, vor allem jeder Jugendrichter,  bestätigen vorbehaltslos, dass mit zunehmender Bildung asoziales Verhalten und Kriminalität proportional abnehmen. Kirsten Heisig hat in „Das Ende der Geduld"  ihre Erfahrungen vor allem mit jugendlichen Migranten und die erfolgreichere Problembehandlung in anderen betroffenen Ländern sehr offen dargelegt. Letztlich kommt auch sie zu dem Schluss, dass nur durch eines konsequent durchgesetzten Bildungsprogramm diese tickende Zeitbombe entschärft werden kann.

Die Erkenntnis, dass Schulen wichtiger sind als Gerichte, ist nicht neu. Nicht neu ist aber auch die Tatsache, dass die Politik gerade vor diesen beiden Bereichen mit geschlossenen Augen am ehesten spart, weil nämlich die Folgen nicht sogleich in Erscheinung treten. Ob ein Gerichtsverfahren fünf oder zehn Jahre dauert, bevor es versandet, spielt in dieser Größenordnung keine Rolle mehr. Versagt der Staat bei der Bildung, so zeigt sich das erst Jahre oder Jahrzehnte später. Bei der Müllabfuhr oder im sozialen und anderen Bereichen geht das nicht so unauffällig schleichend vor sich.

Es hört sich geradezu rührend an, wenn es in Artikel 6 des Grundgesetzes heißt: „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung", oder in Artikel 7: „Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates". Vor allem hehren Absichten des Brandenburgischen Schulgesetzes lassen Tränen der Rührung aufkommen, wenn man da unter anderem liest: „Es ist Aufgabe aller Schulen, jede Schülerin und jeden Schüler individuell zu fördern. Schülerinnen und Schüler mit besonderen Begabungen, sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler sowie Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen sind besonders zu fördern". Oder, was die Erziehungsaufgabe betrifft: „Die Schule trägt als Stätte des Lernens, des Lebens und der Tätigkeit von Kindern und Jugendlichen bei zur Achtung und Verwirklichung der Werteordnung des Grundgesetzes und der Verfassung des Landes Brandenburg... Die Schule achtet das Recht und die Pflicht der Eltern zur Erziehung ihrer Kinder und arbeitet eng mit ihnen zusammen." Und so weiter. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus?

Das bereits angesprochene, häufig tabuisierte oder in unfruchtbaren Diskussionsrunden sozialpädagogisch zerfaserte Problem der „bildungsfernen Schichten" hat in jüngster Zeit eine grotesk anmutende und doch bezeichnende, natürlich erfolglos gebliebene Klage der Eltern dreier türkischer und arabischer Schüler vor dem Berliner Verwaltungsgericht bewirkt. Ihre Sprösslinge, so trugen sie vor, hätten den Wechsel zum Gymnasium nur deshalb nicht geschafft, weil in ihrer Klasse zwei Drittel der Kinder nichtdeutscher Herkunft gewesen seien.

Da ein gewisser Anteil leistungsunwilliger oder leistungsunfähiger Schüler das allgemeine Niveau zu Lasten der übrigen zunehmend absenkt und keine Abhilfe in Sicht ist, suchen immer mehr verantwortungsbewusste Eltern nach einem Ausweg. Dabei nehmen sie notfalls sogar einen Wohnsitzwechsel in Kauf. Immer häufiger, zuletzt ausführlich in einem Artikel der „Märkischen Oderzeitung" vom 27.5.2013, kommt eine regelrechte Flucht auf die von der Verfassung garantierten, jedoch der staatlichen Aufsicht unterworfenen  Privatschulen zur Sprache. Wenn auch der Staat erhebliche finanzielle Mittel beisteuern muss, so ist er doch froh. sich auf diese Weise von seiner Bildungspflicht freikaufen zu können.

Privatschulen gibt es in einer bunten Vielfalt pädagogischer Experimente. „Vielfalt für Gutbetuchte" artikelte einmal die Märkische Oderzeitung. Vor allem in den westlichen Bundesländern sind es häufig religiöse oder sonst weltanschaulich ausgerichtete Trägerschaften. Andere Unternehmen wiederum sind rein gewinnorientiert. Qualität und Lernangebot der Schule (z.B. Sprachen, Musik, Sport) bestimmen das meist zwischen 0 und ca. 500 Euro monatlich liegende Schulgeld. Eltern wie Schüler erwarten davon nicht nur ein überdurchschnittliches Bildungsniveau, sondern auch  Schutz vor den zur Verwahrlosung des Schulbetriebs führenden negativen Elementen. Häufig jedoch werden sie Opfer einer geschickten Werbung, die einen realitätsfernen Nimbus vortäuscht. Dazu gehören zum Beispiel dem Zeitgeist entsprechende Veranstaltungen, Arbeitskreise („Workshops"), Informationsreisen oder der aus Amerika importierte Brauch, die Absolventen in imaginären Doktorkostümen  auftreten zu lassen.

Obwohl immer neue Einrichtungen wie die Pilze aus dem feuchtfauligen Nährboden schießen, übersteigt die Nachfrage das Angebot. Das wirkt sich, stärker als im staatlichen Bereich, auf  Bezahlung und Qualität des Lehrpersonals aus.

Das Leistungsniveau der Privatschulen ist nach meinen Erfahrungen in „beiden Teilen" Deutschlands ungefähr gleich, im Durchschnitt aber bei erheblichen Schwankungen keineswegs höher als das der staatlichen Schulen. So erklärte mir eine Mutter den späten Wechsel ihrer Tochter auf eine Privatschule, dort sei das Abitur leichter zu erlangen. Im vergangenen Jahr 2013 machte eine Schweinfurter Privatschule von sich reden, bei der ein kompletter Jahrgang durch die Abi-Prüfung gefallen war. Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die Erfüllung der dem Staat obliegenden Aufsichtspflicht.

Bei dem vordergründig als sozialgerecht verklärten Niederreißen bewährter Einrichtungen kommt der böse Gedanke auf, Angehörige unserer demokratischen Führungsschicht, gelegentlich mit fragwürdigen Doktorgraden geschmückt, fürchteten das revolutionäre Potential der durch Denkfähigkeit und Wissen mündig gewordenen Bürger. Menschen dagegen, denen man ihre Identität vorenthält und die man in geistige Abhängigkeit bringt, werden spontan auf jedes vorgegebene Zeichen reagieren.

Die vorstehenden Feststellungen und Gedanken  sollten und konnten nur einige Schwerpunkte des komplexen Themas „Bildung" aufzeigen. Sie betreffen im Wesentlichen die Zustände in den „Partnerländern" Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Einige Bundesländer stehen besser da, manche noch schlechter. Abhilfe wäre objektiv möglich durch die nicht zu erwartende Vereinheitlichung und weitgehende Entpolitisierung des Bildungssektors sowie die Einbeziehung wirklicher Fachleute. Aber auch dieses nur so lange, wie unsere Bildung in Deutschland noch nicht in allen Bereichen „europäisiert" ist. Etwa so wie das Hochschulwesen im Zuge des „Bologna-Prozesses", einer noch nicht ganz abgeschlossenen europaweiten Reform der Hochschulen (Universitäten). Die allgemeinen Lobeshymnen werden von deutschen Fachkennern keineswegs geteilt.

Ich weiß, der Widerspruch aller systemkonformen Zeitgenossen ist mir gewiss. Er ändert jedoch nichts an der zutreffenden Feststellung eines bekannten deutschen Politikers, wonach jeder Staat so gut ist wie seine Jugend.

Weitere Meldungen aus dieser Rubrik

Ruppert meint…Nr. 17: Eine Fußnote...

Ruppert meint…Nr. 17: Eine Fußnote der Geschichte Je weiter man zurückgreift in die... [zum Beitrag]

Ruppert meint... Nr. 5

Ruppert meint...Nr. 5  Der Fluch des Alters Quem Di diligunt iuvenis moritur. Der bekannte Spruch... [zum Beitrag]

Ruppert meint...Nr. 21..Das Ende des...

Ruppert meint...Nr. 21 Europa 2. Teil: Das Ende des Weges Fassen wir wiederholend noch einmal... [zum Beitrag]

Ruppert meint...Nr.26 Allahu akbar

Ruppert meint...Nr.26  Allahu akbar Mit dem Ruf „Allahu akbar" - sinngemäß „Gott steht über Allem" -... [zum Beitrag]

Ruppert meint…Nr.6

Ruppert meint…Nr.6   Das Imkersterben „Erst hat man Bienen, dann haben die Bienen einen“ lautet eine alte... [zum Beitrag]

Ruppert meint...Nr. 10

Ruppert meint...Nr. 10 Terror Die Zerstörung des World-Trade-Centers in New York am 11. September 2001... [zum Beitrag]

Ruppert meint...Nr.20 ...Der Weg...

Ruppert meint...Nr.20 Europa 1. Teil: Der Weg nach „Europa" „Europa" und „Finanzkrise", so... [zum Beitrag]

Ruppert meint...Nr. 14

Ruppert meint...Nr. 14 Rechtsbeugung Justiztragödie in drei Akten 1 Teil: Die Müller der Justiz ... [zum Beitrag]

Ruppert meint...Nr. 24 Der...

Ruppert meint...Nr. 24 a Der hässliche Deutsche 1. Teil: Seine Entstehung Wieder einmal ist... [zum Beitrag]